Tagung in Bielefeld "Elektronisches Publizieren"

Ulrich Korwitz (SchochBoesken@schwarzpharma.mhs.compuserve.com)
14 Feb 96 04:01:51 EST


Date: 14 Feb 96 04:01:51 EST
From: <SchochBoesken@schwarzpharma.mhs.compuserve.com>
To: <MEDIBIB-L@uni-muenster.de>
Subject: Tagung in Bielefeld "Elektronisches Publizieren"
Message-Id: <960214090150_555063.0_EHF23-1@CompuServe.COM>

Form: Memo
Text: (551 lines follow)
Liebe MEDIBIB'ler

Viele von Ihnen werden bei der Tagung in Bielefeld (5.-7.2.96) gewesen sein.
Dort wurde eine sehr gute Uebersicht ueber die Bewegungen, die zur Zeit im
Markt der Publikationen stattfinden, gegeben.

Im Folgenden habe ich meinen kompletten "Reisebericht", den ich fuer interne
Zwecke ohnehin erstellen musste, eingefuegt. Ich hoffe, er gibt auch denen,
die nicht bei der Tagung sein konnten, einen guten Eindruck von der
augenblicklichen Marktsituation.

Wenn Sie unverstaendliche oder falsche Darstellungen finden, bin ich fuer
eine Rueckmeldung dankbar.

Viel Spass beim Lesen ...

Joachim Schoch-Boesken
(SchochBoesken@SchwarzPharma.mhs.compuserve.com)

P.S.: Denselben File in "Schoenschrift" (WORD 6.0 incl. Formatierungen) kann
ich gern auch uebersenden (per UUDECODE umgewandelt).

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Reisebericht - "Elektronisches Publizieren und Bibliotheken" in Bielefeld -
05.-07.02.1996
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1. Die Tagung
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Die Tagung "Bielefeld Kolloquium" fand nach 1992 bereits zum dritten Mal
statt. Sie wurde wieder in Zusammenarbeit
- der Bibliothek der Universitaet Bielefeld
- der Buchhaendlervereinigung GmbH
- und dem British Council / Koeln
durchgefuehrt. Waehrend 1992 das Thema CD-ROM im Vordergrund stand und 1994
ueber CD-ROM, Bibliothekssysteme und - in wenigen Saetzen - dem Internet
handelte, war das Thema des 1996er Kolloquiums

"Elektronisches Duplizieren und Bibliotheken
- die Herausforderungen neuer Partnerschaften".

Es waren in diesem Jahr ueber 600 Teilnehmer anwesend. Die Referenten
stammten aus 7 Laendern. Der Schwerpunkt war Europa, aber auch Referenten
aus den USA waren anwesend.

2. Der Markt
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Der gesamte Markt der Publikationen waechst seit Jahren erheblich. Der
Anteil elektronischer Publikationen ist heute noch gering, waechst aber
wesentlich schneller als der Gesamtmarkt. So sind von den 1.100
Zeitschriften und Newslettern, die im letzten Jahr neu herausgegeben wurden,
mehr als die Haelfte bereits nur noch in elektronischer Form publiziert
worden.

Buecher Buecher wird es selbstverstaendlich weiterhin geben, zusaetzlich
jedoch werden ganze Werke auf CD-ROM verfuegbar gemacht (Bsp.:
Goethe-Gesamtwerk).

Zeitschriften Neben den weiterhin verfuegbaren gedruckten Zeitschriften
werden dieselben Zeitschriften zunehmend auf CD-ROM (Bsp.: ADONIS) oder
Online (Bsp.: OCLC) verfuegbar gemacht. Neben diesen verschiedenen
Distributionswegen des gleichen Mediums gibt es zunehmend neue
Zeitschriften, die nur noch elektronisch publiziert werden.

CD-ROM Diese "neue" Gattung von Publikationen ist heute bereits Standard.
Die Diskussionen vor wenigen Jahren, ob auf der Frankfurter Buchmesse auch
CD-ROMs gezeigt werden duerfen, ist heute obsolet. Trotz des rasanten
Wachstums der Online-Publikationen im Internet werden CD-ROMs auch in den
naechsten Jahren ihre Stellung weiter ausbauen koennen. Insbesondere gibt es
zunehmend Ueberschneidungen der Distributionswege. So stellt z.B. der
CD-ROM-Anbieter "Silverplatter" mit Hilfe verschiedener Partner (z.B.: Swets
& Zeitlinger, Lange + Springer) CD-ROM Server zur Verfuegung, die heute
bereits 6 komplette Datenbanken auf CD-ROM im Internet anbieten.

Online-Magazine Der Markt der "nur noch Online-Magazine" (also ohne
gedrucktes Werk) waechst. Hiermit bilden sich aber neue Probleme heraus, wie
z.B. die Langzeitarchivierung der Artikel. Sofern dieses Medium von
etablierten Verlagen genutzt wird (Bsp.: Springer bietet ueber 100
Zeitschriften bereits gedruckt und online an), ist auch die Qualitaet
unveraendert - bei allen anderen Publikationen ist die Qualitaet fraglich
("Schnellschuss"). Hier scheinen sich aber "wissenschaftliche Zirkel" zu
etablieren, die selbst eine Qualitaetskontrolle durchfuehren.

Probleme dieser Entwicklung

Fuer die Verlage wie auch fuer Buchhandlungen und Bibliotheken sind die
groessten Probleme:
a) der "Schutz geistigen Eigentums" bzw. das "Urheberrecht",
b) der Aufbau sicherer und schneller Vertriebskanaele,
c) die Abrechnung dieser Leistungen.
d) die Verhinderung der nicht-autorisierten Weitergabe

Problem a) Der "Schutz geistigen Eigentums" und das "Urheberrecht"

Ein heute ungeloestes Problem ist das Copyright. Teile des Copyrights sind
mit dem vorhandenen Gesetzen bereits abgedeckt.
Die Verfuegbarmachung von Kopien (z.B. Ausdruck) koennen behandelt werden
wie die Vervielfaeltigung von koerperlichen Publikationen.
Andere Teile wie die Vervielfaeltigung und der Versand im Internet sind
bisher nicht geregelt.

Hierzu gibt es 2 Projekte im Rahmen der europaeischen Gemeinschaft. Eine
Projektgruppe wurde bereits 1994 gegruendet (EBLIDA). Das daraus
hervorgegangene Projekt ECOP hat das Ziel, das Copyright im Rahmen der
europaeischen Gemeinschaft abzustimmen.

Die Diskussion wird zwischen den extremen Standpunkten gefuehrt:
a) Erst durch das Schutzrecht wird es fuer Autoren attraktiv, zu
publizieren. Nur dadurch lassen sich auch Verlage, die z.B. auch
qualitaetssichernde Funktionen haben, einbeziehen.
b) Die Entwicklung des Internet ist nicht aufzuhalten. Viele Autoren
verzichten auf alle Ansprueche des Copyrights, nur um schnell einer grossen
Anzahl von Lesern verfuegbar zu sein.

Problem b) Der Aufbau sicherer und schneller Vertriebskanaele,

Schnelle und sichere Vertriebskanaele bedeutet fuer Online-Publikationen,
dass schnelle Leitungen vorhanden sind, ueber die - ohne Verletzung des
Copyrights und der Privatsphaere - Artikel oder Informationen uebertragen
werden koennen.

Ein Problem in diesem Zusammenhang sind die hohen Kosten der Infrastruktur.
Fuer die Uni Bielefeld wurde ein Betrag von 20 Mio. DM geschaetzt, um alle
Arbeitsplaetze mit einem Hochgeschwindigkeitszugang (100 Mb/sec.) zu
versehen. Fuer die Uni Heidelberg waeren das vergleichsweise 40 Mio. DM.

Neben dieser zentralen Infrastruktur ist auch die Ausstattung der
Arbeitsplaetze teuer, sofern man auf ein "vernuenftiges" Betriebssystem
uebergehen will (also von DOS und Windows auf Windows NT oder UNIX).

Problem c) die Abrechnung dieser Leistungen

Fuer die Abrechnung von Leistungen im Internet hat sich bis heute noch kein
Verfahren durchgesetzt.
- Electronic Cash (eCash) ist noch zu neu
- die Uebertragung von Kreditkartennummern scheint vielen zu unsicher
- das "Bankeinzugsverfahren" ist nur in Deutschland verbreitet.
Ueblich sind aus diesem Grund heute Verfahren, die von einer "geschlossenen
Nutzergruppe" ausgehen (Zugang ueber Passwort-Schutz) und wo mit den
Beteiligten ueber etablierte Verfahren abgerechnet werden kann (z.B.
monatliche Rechnung).

Dieses "Halbmanuelle" Verfahren ist fuer einen massenhaften Vertrieb von
Artikeln ueber das Internet noch unbefriedigend. Deshalb wurde von Prof. Dr.
Goetze (Geschaeftsleitung Springer-Verlag) ein Verfahren skizziert, bei dem
ueber zentral vergebene, eindeutige Nummern (Artikel-Id., Autor-Id. und
Verlags-Id.) jeder Artikel identifizierbar und automatisch abrechenbar sein
soll. Dieses Verfahren klingt plausibel, sicher ist es aber noch ein weiter
Weg bis zur Realisierung.

Problem d) die Verhinderung der nicht-autorisierten Weitergabe

Bereits bei gedruckten Werken kann eine unerlaubte Weitergabe in Form von
Fotokopien nicht verhindert werden. Mit der "Kopierabgabe" hat sich aber
wenigstens ein Instrument etabliert, um pauschale "Lizenzkosten" zu
erhalten.

In der elektronischen Form laesst sich eine Arbeit jedoch viel schneller und
leichter an eine grosse Anzahl weiterer Personen verteilen.

Herr Dr. Luksch, "Arbeitsbereichsleiter fuer elektronisches Publizieren am
FIZ Karlsruhe", stellte verschiedene Methoden vor, wie man eine unerlaubte
Kopie im Nachhinein identifizieren kann. So kann man durch kaum wahrnehmbare
Aenderungen
- des Zeilenabstands,
- des Buchstabenabstands oder
- die Veraenderung einzelner Typen
eine Codierung mitspeichern, die selbst nach mehrfachem Kopieren noch
rekonstruierbar ist und die es erlaubt, eine kodierte Information zu
dechiffrieren.

Weitere Probleme

Fuer alle Beteiligten stellt sich auch die Frage der Langzeitarchivierung,
Dies wurde in einem Vortrag von Herrn Dr. Jauslin, dem Leiter der
schweizerischen Nationalbibliothek, thematisiert. Er zeigte auf, dass
diverse Datenquellen (z.B. Filme, Phonoaufnahmen etc.), die auf magnetischen
Baendern gespeichert sind, bereits heute ihrem Verschwinden entgegengehen.
Dies gilt in um so staerkerem Masse fuer im Internet angebotene Dokumente
und Informationen.

3. Anbieter
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3.1 Autoren
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Fuer wissenschaftliche Autoren ist es heute wichtig, in anerkannten
Zeitschriften zu publizieren. Dies beinhaltet einen Kontrollmechanismus bei
den Verlagen ("redigieren"), der dazu fuehrt, dass die Publikationen
gewoehnlich erst nach 6-12 Monaten, in Einzelfaellen auch erst nach 2 Jahren
erscheinen.

Eine Tantieme, wie sie bei Buechern ueblich ist, wird bei Zeitschriften
nicht bezahlt. In manchen Faellen wird sogar eine Zulage seitens des Autors
erwartet.

Um schneller und einfacher seine Publikationen auf den Markt zu bringen, ist
es heute moeglich, elektronisch zu publizieren. Das heisst im einfachsten
Falle, dass ein kompletter Text im Internet auf einem FTP-Server
bereitgestellt wird.

Daneben gibt es die Moeglichkeit, eigene Zeitschriften herauszugeben. Diese
"Electronic Magazines" oder "E'zines" kommen mehr oder weniger regelmaessig
heraus und es liegt im Belieben des Herausgebers, dort Informationen
zusammen zustellen.

Auf die Frage warum die elektronischen Publikationen im Internet
explodieren, brachte Prof. Dr. Wilsen, "Head of Department of Information
Studies" der "University of Sheffield" folgende Vorteile:
- ease of preparation < leicht zu erstellen >
- speed of publication < schnell zu veroeffentlichen >
- ease of access < leichter Zugang fuer Dritte >
- economic < wirtschaftlich = billig >

Eigene "Qualitaetszirkel" von Autoren und Hochschulprofessoren, die nur
gepruefte Artikel (elektronisch) publizieren, wurden erwaehnt (Bsp.:
amerikanische Mathematiker).

3.2 Verlage
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Durch den Druck der elektronischen Publikationen aendert sich fuer die
Verlage das gesamte Handlungsfeld. Neben diesem Wissen, dass es sich
aendert, ist die Frage, in welche Richtung die Aenderung geht, noch nicht
sicher zu beantworten.

Die Verlage befinden sich in einem Teufelskreis ! Durch steigende Preise
werden Nutzer dazu gebracht, auf Printmedien zu verzichten. Gerade wenn sich
Ausweichmoeglichkeiten bieten (Electronic Publishing), wird dies
erleichtert. Durch die sinkenden Nutzerzahlen sinkt die Auflage und damit
steigt wiederum der Preis pro Heft und der Kreis schliesst sich.

Einige Aspekte der geplanten Aenderungen fuehrte H. Prof. Dr. Goetze,
Geschaeftsfuehrer des Springer-Verlages aus :

a) Parallel zum Erstellen einer koerperlichen Zeitschrift wird es eine
Zusammenfuehrung von Texten und Graphiken geben, die dann als elektronische
Zeitschrift verfuegbar gemacht wird.
b) Schneller und billiger ist die Zusammenstellung der Informationen, wenn
die Uebertragung auf ein "Printmedium" weggelassen wird. In diesem Falle
wuerde das vom Autor (elektronisch) erstellte Dokument nach einer
Qualitaetspruefung direkt auf einen oeffentlich zugaenglichen Server geladen
werden.
c) Dieser Server kann beim Verlag, beim Buchhaendler oder in einer
Bibliothek stehen.

Hier muss jedoch nochmals betont werden, dass dafuer einige Voraussetzungen
unbedingt erfuellt werden muessen (eindeutige Identifizierung, sicherer
Transport, praktikable Abrechungsmoeglichkeiten; s.o.).

Es gibt von den Verlagen auch schon konkrete Umsetzungen und einen Einstieg
in die neuen Medien. So ist beim Springer-Verlag heute schon eine Vielzahl
von Zeitschriften elektronisch verfuegbar (mehr als 100).

Beim Verlag Langer + Springer wird ein "ERL"-Server (entwickelt von der
Firma "Silverplatter") eingesetzt. Auf dem ERL-Server laufen verschiedene
Silverplatter-CD's. Fuer den Nutzer ist es moeglich, ueber das Internet mit
seinem "Web-Browser" auf diese CD's zuzugreifen. Die Voraussetzung ist die
Zahlung einer Subskription (Jahreslizenz). Es handelt sich also um eine
"geschlossene Benutzergruppe" mit Passwort-Schutz.

Als Projekt, um die neuen Medien zu testen, haben sich 6 grosse juristischen
Verlage Deutschlands mit der Bibliothek der Uni Bielefeld zusammengetan. Im
Rahmen dieses Projekts werden die meisten Werke dieser Verlage online auf
dem Campus der Uni Bielefeld verfuegbar gemacht. Ziel ist es, die
Nutzunghaeufigkeit sowie das Nutzerprofil festzustellen und einen Preis zu
ermitteln, der fuer diese Dienstleistung langfristig genommen werden kann.
Die Pilotprojektphase hat begonnen und soll 2-3 Jahre dauern.

3.3 Buchhandlungen
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Auch die Buchhaendler kommen zunehmend unter Druck. Durch die elektronischen
Medien wird es moeglich, dass der Endnutzer im Katalog seines Verlages sucht
und sich dort direkt ein Werk bestellt. Als Ausgleich fuer die Marktanteile,
die hier verloren gehen koennen, bieten Buchhandlungen zunehmend
zusaetzliche Zusatzdienstleistungen an.

So bieten zum Beispiel Swets + Zeitlinger heute bereits:
- einen Online-Dienst fuer Rueckfragen und Bestellungen,
- einen Service, der die Inhaltsverzeichnisse von ueber 4 000 Zeitschriften
verfuegt macht,
- einen Bestellservice, der auch eine Lieferkontrolle einschliessen kann,
- sowie eine Periodikaverwaltung an.
Neben den Printmedien sind selbstverstaendlich verschiedene Non-Print-Medien
verfuegbar (CD-ROM zum Verkauf oder per Internet-Zugriff).

3.4. Electronic Document Delivery (EDD)
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Die elektronische Dokumentenvermittlung ist erst seit wenigen Jahren in der
jetzigen Form verfuegbar. Hierbei besteht die Moeglichkeit, eine Bestellung
per Telefon, Fax oder Email zu ordern oder in den Datenbanken direkt (per
Telnet-Zugang) zu suchen und ein "Online-Ordering" durchzufuehren.

Neu ist jedoch, dass auch komplette Arbeiten ueber Email zurueckgesandt
werden koennen. Dadurch verkuerzen sich nicht nur die Zeiten fuer
Verfuegbarkeit von Arbeiten erheblich, sondern es sinkt auch der Preis. Der
Grund dafuer ist, dass anders als beim Fax keine manuelle Arbeit zum
Versenden des Artikels mehr noetig ist. Als Beispiel nannte Herr Dr. Hirsch
(BMBF) einen Betrag von ca. 15 DM fuer die klassische "Fernleihe" gegenueber
einem Betrag von unter 5 DM fuer eine Artikelbestellung im Rahmen von
"SUBITO".

Schon seit vielen Jahren gibt ein Dokument Delivery bei einigen
Datenbankanbietern ("Online-Ordering" bei DIMDI). Ebenfalls laenger am Markt
sind einige etablierte auch internationale Firmen (OCLC in UK).

Relativ neu ist ein Service der in NRW in den letzten Jahren aufgebaut
wurde. In Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Hochschulbibliotheken in NRW
wurde das Projekt JASON durchgefuehrt. Hier ist es moeglich, aus mehreren
tausend Zeitschriften Artikel fuer einen relativ geringen Preis zu beziehen
(6 DM fuer Mail-Lieferung). Die Schwierigkeit ist heute noch der etwas
komplizierte Ablauf (Wertgutscheine ueber Hochschulbibliotheken
erhaeltlich). Zu diesem Punkt wurden jedoch Aenderungen angekuendigt.

Mit dem Projekt SUBITO soll es ab April 1997 moeglich sein, Arbeiten aus
allen deutschen Bibliotheken innerhalb von 3 Tagen zu erhalten.

3.5 Online-Datenbank-Anbieter
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Mittlerweile haben alle Online-Dantenbank-Anbieter auch einen Zugang ueber
das Internet (meist Terminal-Emulation ueber Telnet) Teilweise wird aber
auch schon der Dienst WWW unterstuetzt. Nach Zugang zu dem System wird ein
Passwort abgefragt, so dass die gleichen Kosten wie beim Datex P-Zugang
entstehen.

Neu ist, dass sich (halbstaatliche) Anbieter, wie STN und das
Fachinformationszentrum (FIZ) Karlsruhe, um die Einbindung der vorhandenen
Hochschulbibliotheks-Kataloge einsetzen. Hierzu gibt es ein gefoerdertes
oeffentliches Projekt.
Im Rahmen dieses Projektes("German Library Project" oder DBV-OSI) hat sich
inzwischen darauf geeinigt, den Internet-Standard Z39.50 zu verwenden. Dies
ist ein Defaktostandard fuer Dokumente, der eine gewisse Strukturierung
erlaubt und im Internet unter TCP/IP bereits seit Anfang der 90er Jahre
verwendet wird.
Zur weiteren Standardisierung gehoert, dass MAB (das deutsche
Bibliotheksformat) nur noch als Transportmedium verwendet wird, waehrend
ansonsten der Standard UNIMARC, der bereits weltweit eingesetzt wird,
verwendet werden soll.

Eine zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen den Anbietern wird
deutlich, wenn man sieht, dass OCLC als klassischer EDD-Anbieter nun
ebenfalls Datenbanken anbieten wird. Hinter der Bezeichnung "First Search"
werden ueber 50 Datenbanken im Volltext angeboten, aus denen heraus jeweils
ein Online-Ordering moeglich ist. Weiterhin wird ein aktueller
Datenbankservice unter dem Namen "Net First" seit November 1995 angeboten.
Es handelt sich um eine Volltext-Datenbank mit einer Wachstumsrate von
10.000 Dokumenten pro Monat.

3.6 Bibliotheken
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Auch die Bibliotheken muessen ihre Rolle neu definieren. Die Grundstruktur
der Bibliotheken ist seit Jahrhunderten im Wesentlichen gleich geblieben
(Dr. Neubauer, Direktor der Bibliothek der Universitaet Bielefeld). Die
jetzt anstehenden Aenderungen werden nach Meinung von Herr Dr. Leskien nicht
nur den Bestand und die Dienstleistungen aendern (s. u.), sondern auch
Organisationsanpassungen notwendig machen - so haelt er die klassische
Einteilung in "Erwerbung", "Katalogisierung" und "Nutzerbetreuung" heute
nicht mehr fuer zeitgemaess.

Die Hochschulbibliotheken haben heute mehr oder weniger vollstaendig auch
CD-ROM im Angebot. Weitere Medien wie z.B. Electronic Magazines oder andere
Internet-Publikationen sind bisher intern verfolgt worden, aber noch selten
angeboten worden. In den Diskussionen wurde deutete sich an, dass
Bibliothekare in Zukunft eine "Pfadfinder"-Funktion uebernehmen koennten.
Das bedeutet, dass Nutzer weniger in Kataloge und dafuer mehr in die neuen
elektronischen Medien eingewiesen werden muessen.

Herr Dr.. Leskien (Direktor der Bayerischen Staatsbibliothek in Muenchen)
fasste die erwarteten Aenderungen in folgenden Punkten zusammen:
- Entscheidend fuer eine Bibliothek ist nicht mehr die Menge der vorhandenen
Buecher sondern die Qualitaet der Leistung.
- Die geforderten Informationen werden immer individueller.
- Die Bibliotheken stehen untereinander im Wettbewerb, aber koennen auch
Kooperation und Rollendifferenzierungen neue Profile gewinnen.
- Die Globalisierung der Verfuegbarkeit von Informationen und Dokumenten
fuehrt zu einem Verlust des Standortvorteils.
- Organisationsanpassungen muessen dem Rechnung tragen.

Staerker die archivarische Sicht beleuchtete H. Jauslin, der Leiter der
Nationalbibliothek der Schweiz in Bern. Er sieht weiterhin die
Schluesselposition der Bibliotheken in der Konservierung und Verbreitung von
Informationen. Gerade die Langzeitarchivierung ist jedoch bei einigen Medien
stark gefaehrdet und dieses Risiko ist den Bibliothekaren heute nicht
bewusst. So sieht H. Jauslin heute die dringendste Aufgabe darin,
erhaltenswerte Informationen auf ein dauerhaft verfuegbares Medium zu
uebertragen und meint, dass langfristig die Grenzen zwischen den
verschiedenen Darstellungsarten der Information (Papier, Film, Ton etc.) im
Rahmen einer elektronischen Archivierung verwischen.
Neben diesen mehr theoretischen Anspruch (Langzeitarchivierung) gibt es
jedoch konkrete Projekte die in der Schweiz umgesetzt werden. Zunaechst
sollen die transparenten Zugriffe auf alle
Universitaetsbibliotheken-Kataloge gewaehrleistet werden. Dies in einem Land
mit vier Landessprachen schwierig.

Im Rahmen der EG gibt es das Projekt "Telematik fuer Bibliotheken". F.
Iljon, die Leiterin der Einheit "Library Networks and Electronic Publishing"
in Bruessel, skizzierte das Projekt:
a) Netzwerk in Bibliotheken aufbauen.
b) Gemeinsame Ressourcennutzung in verschiedenen Bibliotheken.
c) Zugriff auf externe Informationsressourcen bereitstellen (z.B.
Hypertext-Links auf Adressen im Internet).

3.7. Technische Infrastruktur
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Um die genannten elektronischen Dienste verfuegbar zu machen, braucht man
eine elektronische Infrastruktur, die sowohl in schnellen Netzen quer durch
die Kontinente, als auch in Campus- oder Hausnetzen letztlich dem einzelnen
PC verfuegbar sein muss. Zum Thema Backbone sprach H. Adloff, Praesident der
Direktion Leipzig der Deutschen Telekom.

Auf der technischen Seite ist die Telekom fuer die neuen Zeiten gut
geruestet. Es liegen ueberwiegend hochmoderne Netze. So sind z.B. in Berlin
8 und in Leipzig 6 synchrone Ringe mit einem Durchsatz von 622 Mb/sec.
verfuegbar. Weitere Netze in Deutschland haben eine Bandbreite von 155
Mb/sec. oder 34 Mb/sec.. Fuer Hausanschluesse ist heute ueblicherweise ISDN
(64 Kb/sec.) moeglich.

Starke Kritik gab es jedoch an der Tarifstruktur der Telekom. Zum einen
wurde kritisiert, dass die schnellen Netze wesentlich teurer sind, als im
Ausland. Weiterhin gab es erwartungsgemaess Kritik an der Tarifaenderung zum
01.01.1996, die gerade fuer die Nutzung von Online-Diensten eine deutliche
Verteuerung beinhaltet.

Auf die vorgebrachte Kritik reagierte H. Adloff ein wenig veraergert und
brachte vor, dass die Telekom immerhin "aus eigenem Budget" (wessen ?) den
"Aufbau Ost" durchgefuehrt haette. Auf die meisten Argumente, in denen
dargelegt wurde, dass die Telekom teurer als vergleichbare Konkurrenten ist,
antwortet er lapidar mit "Der Markt wird's schon regeln". Hier muss man
natuerlich zugeben, dass die Telekom immer noch unter starkem staatlichen
Einfluss steht und nicht wie andere Unternehmen handeln kann. Dennoch wurde
in diesem Beitrag m.E. eine Change vertan, fuer Verstaendnis zu werben.

4. Nachfrage
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4.1 Nachfrage ueber Buchhandlungen und Verlage
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Als erstes konkretes Ergebnis der globalen Vernetzung sind die Wege zu
Buchhandlungen und Verlagen schneller geworden. Zumindest alle bei der
Tagung vertretenen Firmen sind ueber Electronic Mail verfuegbar. Viele haben
darueber hinaus Online-Kataloge ihres Bestandes anzubieten.

Spezielle Dienste, wie z.B. "Swets-Online", bieten die Moeglichkeit, den
Status von Bestellungen, Fortsetzungen oder Zeitschriftenlieferungen
nachzupruefen (parallel zum Paketverfolgungsservice von UPS). Darueber
hinaus bieten einige moderne Buchhandlungen auch schon die Moeglichkeit,
Electronic Magazines abzurufen.

Die Verlage gehen mehr und mehr dazu ueber, ihre Dienstleistungen auf
verschiedenen Vertriebskanaelen anzubieten (gedrucktes Werk + CD-ROM +
Online).

All diese neuen Entwicklungen bringen fuer den Nachfrager einen immensen
Vorteil. Er kann seine Informationen schneller beziehen und er Preise oder
Lieferbedingungen schneller vergleichen (Markttransparenz). Darueber hinaus
bietet dieser Konkurrenzkampf auch die Moeglichkeit, von zusaetzlichen
Dienstleistungen zu profitieren.

4.2. Nachfragen ueber das Internet
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Es gibt Ansaetze, weitere Informationsquellen des Internets verfuegbar zu
machen. In einem Projekt der Unibibliothek Bielefeld (META) werden
Internet-Adressen in einer Datenbank mit Kategorisierungen und
Beschreibungen verwaltet. Auf Anfrage wird eine HTML-Seite mit Hyperlinks
("on the fly") erzeugt. ES handelt sich jedoch nur teilweise um "echte"
Internet-Adressen, ueberwiegend um Verweise auf interne "Campus-Server".

Ein weiterer Ansatz wird an der Universitaet Lund in Schweden verfolgt. Es
gibt ein Internet-Protokoll (WAIS), dass die inhaltliche Erschliessung von
Datenbanken beschreibt. In Lund werden Suchanfragen auf ca. 40 WAIS-Server
so gebuendelt, dass eine uebergreifende Suche moeglich wird.

Dahinter steckt auch der Versuch, informationsquellen des Internet mit
bibliothekarischen Werkzeugen zu erschliessen. Das Internet widersetzt sich
jedoch bisher diesen Erschliessungsmoeglichkeiten aufgrund
- des Wachstum,
- der verschiedenen Formate und
- der unterschiedlichen Inhalte.

Als Ausweg aus diesem Dilemma haben sich bisher zwei Strategien etabliert:
a) Suchmaschinen sammeln Informationen (Roboter) oder bekommen sie zugesandt
und fuehren eine Volltextindizierung des Domain-Namens, eines Kurztextes
oder der kompletten Homepage durch.
b) Es gibt Personen, die fuer ihren Fachbereich "Foren" aufbauen, aus denen
heraus ein Reihe von Hyperlinks auf andere Web-Sites, die fuer dieses Gebiet
relevante Informationen enthalten, verweisen.

Joachim Schoch-Boesken
SCHWARZ PHARMA AG
mailto: SchochBoesken@SchwarzPharma.mhs.compuserve.com

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