OMNI-Report (lang)

Oliver Obst (obsto@uni-muenster.de)
Tue, 12 Dec 1995 14:20:04 +0000


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From: "Oliver Obst" <obsto@uni-muenster.de>
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Date: Tue, 12 Dec 1995 14:20:04 +0000
Subject: OMNI-Report (lang)

Soll im Bibliotheksdienst, Heft 1.1996 erscheinen. Gruesse, O.Obst
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Ein britischer Versuch, das Internet zu erschliessen:
Das erste OMNI-Seminar in London

Oliver Obst <obsto@uni-muenster.de>

Am 30.11.1995 wurde nach halbjaehriger Vorlaufzeit das OMNI-Projekt
in London der Oeffentlichkeit vorgestellt1. OMNI steht fuer Organising Medical Networked Information und ist ein breit angelegter V
ersuch, qualifizierten Zugang zu medizinischen (Internet)Ressourcen
zu bieten. Da sich ernstzunehmende deutsche Initiativen mit einer aehnlichen Zielrichtung noch im Planungsstadium befinden2, mag ei
n detailierter Ueberblick von diesem 'arbeitenden' Projekt vielleicht
gerade rechtzeitig kommen, um einige Anregungen geben zu koennen. OMNI speist sich aus zwei Quellen: der BIONIR-Initiative und de
m Follett-Report. In BIONIR (Biomedical Networked Information
Resources) hatten sich schon frueh britische Medizinbibliothekare zusammengefunden, um auf freiwilliger Basis die wie Pilze nach einem Fr
uehlingsregen aus dem Boden schiessenden Internetquellen systematisch
zu erschliessen. Angesichts der Groesse der Aufgabe wurde aber bald deutlich, dass dieses Unterfangen ohne professionelle Organis
ation und eigene Mitarbeiter zum Scheitern verurteilt sein wuerde.
Die dazu notwendige Finanzierung wurde durch den Follett-Report ermoeglicht, der von den britischen Unterhaltstraegern der Bibliothe
ken (den Higher Education Founding Councils) in Auftrag gegeben
wurde, um die Bibliotheksversorgung der britischen Hochschulen zu untersuchen3. Der Report kommt u.a. zu dem Schluss: "The exploitation
of IT (information technology) is essential to create the effective
library service of the future" und empfiehlt, eine Anzahl von Entwicklungsprojekten ins Leben zu rufen, um den Gebrauch von Inform
ationstechnologie auf bestimmten Gebieten zu foerdern. Die Regierung
genehmigte daraufhin fuer ein Electronic Libraries Programme4 12 Mio. Pfund auf drei Jahre. Mittlerweile sind unter der Schirmherr
schaft des Joint Information Systems Committee (JISC) zahlreiche
Projekte ins Leben gerufen worden, die von der Follett Implementation Group on Information Technology (FIGIT) ueberwacht werden. Proje
ktthemen sind u.a.: elektronische Dokumentlieferung, elektronische
Zeitschriften, Digitalisierung, Archivierung, Publishing-on-demand, Copyright-Fragen und Zugang zu Netz-Ressourcen. Zu der letzten G
ruppe von Projekten gehoert OMNI5. OMNI wird nicht nur mit Sach-
sondern auch mit Personalmitteln gefoerdert und kann dadurch auf einen festen Stamm von fuenf Mitarbeitern mit insgesamt 2,5 vollen St
ellen bauen. Die Leiterin von OMNI ist Sue Welsh
<s-welsh@nimr.mrc.ac.uk>. Wer gerne als Freiwilliger bei OMNI mitarbeiten moechte und z.B. ein bestimmtes Land oder Fachgebiet betreuen moechte, kann
sich per Email an sie wenden. Sechs britische Medizinbibliotheken und
das Wellcome Center for Medical Science unterstuetzen dieses Projekt, weil sie die Aufgabe, einen qualitativ hochwertigen Zugang
zu medizinischen Informationen zu gewaehrleisten, angesichts der
chaotischen Zustaende im Internet fuer vordringlich halten. Das Schwergewicht liegt eindeutig auf den britischen Internetquellen, die
moeglichst vollstaendig erfasst werden sollen. OMNI ist unter der URL
http://omni.ac.uk zu erreichen. Mit Hilfe einer speziellen Datenbank werden die begutachteten Quellen entweder hierarchisch struk
turiert (nach National Library of Medicine Classification oder nach
Universal Decimal Classification) angeboten oder koennen mit Schlagwoertern durchsucht werden. Dazu werden die einzelnen Quellen mi
t Medical Subject Headings (MeSH) indexiert. Geplant ist zudem die
Verwendung des Unified Medical Language Systems, was natursprachliche Suchen ermoeglichen wuerde. Bei jeder dieser Moeglichkeiten ko
ennen entweder alle Ressourcen weltweit abgefragt werden oder die
Suche auf Grossbritannien (und in Zukunft auch auf andere Laender) beschraenkt werden.

Das OMNI-Team sieht sich in der Tradition von Referateorganen und
zieht Parallelen zum ersten Erscheinen der wichtigsten medizinischen Bibliographie, des Index Medicus. Und in der Tat erinnert die sa
chliche Erschliessung von Homepages an die von Zeitschriftenartikeln.
Wird OMNI eines Tages so wichtig sein wie die Literaturdatenbank Medline?

Ich moechte noch auf zwei weitere Versuche hinweisen, die ebenfalls
den MeSH-Thesaurus der NLM dazu verwenden, medizinische Internetinformationen sachlich zu erschliessen: CliniWeb, Oregon und Karoli
nska, Stockholm6. Die zu bewaeltigende Aufgabe laesst sich erahnen,
wenn man die Zahl der URLs betrachtet, die von der groessten Suchmaschine im Internet - Lycos7 - verwaltet werden: ueber 16 Mio. (S
tand 12.12.1995)! Die Selektion, Katalogisierung und Erschliessung
dieser gewaltigen Informationsmasse ist wohl nur durch eine weltweite Kooperation und die Einfuehrung von Uniform Resource Numbers a
ehnlich der ISBN moeglich. Immerhin hat der groesste Katalogisierer
der Welt - OCLC - schon 50.000 Internetquellen erfasst8, also knapp 0,3% ...

Fussnoten:
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1 Ein Programm des Seminars finden Sie unter der URL
http://omni.ac.uk/general-info/launch/launch. html.
2 Siehe z.B. 1. "Wissenschaftliche Information im elektronischen
Zeitalter", Bericht der Sachverstaendigenkommission "Elektronische Fachinformation an den Hochschulen in Bayern" (Im Internet unter d
er URL http://www11.informatik.tu-muenchen.de/EFI), 2.
"Internet-basierten Informationssystems", unveroeffentliches Planungspapier der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulbibliotheken NRW/Arbeitsgruppe
PC-gestuetzte Dienste vom 27.10.1995 und 3. "Aufbau eines World Wide
Web Servers fuer die Sondersammelgebiete an Deutschen Bibliothekaren", ein DFG-Projekt an der Staats- und Universitaetsbibliothek
Hamburg.
3 Higher Education Funding Council for England et al.: Joint Funding
Council's Libraries Review Group: Report. London: HMSO, 1993 (im Internet unter der URL http://ukoln.bath.ac.uk/follett/ follett_
report.html).4 Informationen zum Electronic Libraries Programme
finden Sie unter der URL http://ukoln.bath.ac.uk/ elib.5 Zu OMNI, SOSIG und ROADS (zwei weiteren Access-Projekten) siehe Library Asso
ciation Record 97(7): S.374 (1995).
6 Oregon Health Sciences University: URL
http://www.ohsu.edu/cliniweb/. Karolinska Institute, Stockholm: URL http://www.mic.ki.se/Diseases/index.html.7 URL http://www.lycos.com8 URL http://www.ocl
c.org:6990
Oliver Obst

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