Date: Mon, 27 Nov 1995 12:50:59 +0100 (MET)
From: stegmann@XKLS1.ukbf.fu-berlin.de
To: medibib-liste <medibib-l@uni-muenster.de>
Subject: Deutsche Zentrale Medizin Home Page
Message-Id: <Pine.SV4.3.90.951109134122.12689A-100000@XKLS1.ukbf.fu-berlin.de>
Das ist sicher eine gute Idee, und wenn ich Zeit haette... Habe ich aber
nicht. Ich finde es schon sehr bewunderns- u. dankenswert, wiesehr sich
Oliver Obst und andere in die ganze Internet-Geschichte hineinhaengen.
Wir haben im uebrigen aber auch noch keine vollst. Internet-Anbindung,
sondern koennen das Internet nur alpha-numerisch mittels X.25-Verbindung
zu einem Rechner der FU-Berlin erforschen.
Auf der anderen Seite - bzgl. d. zentralen deutschen homepage - muss man
auch fragen, ob es wirklich notwendig ist: unsere Bibliothek hat z.B.
noch keine homepage (vielleicht schaffen wir es ja noch dieses Jahr, dass
wenigstens unser Name (mit einigen Infos) auftaucht), und da waere es ja
ganz schoen, auf so eine zentrale Stelle verweisen zu koennen. Bloss: die
"Endnutzer" wollen ja eigentlich an die Quellen selbst, und zwar so
schnell wie moeglich, und links zu folgen verbraucht (immer mehr) Zeit.
Im uebrigen enthaelt ja wohl jede "deutsche" Homepage internationale
links; schliesslich ist die Aufhebung der Regionalisierung ein
wesentliches Merkmal des Internet, und fuer die Endnutzer ist die
Kenntnis der Nationalitaet der Quelle sicherlich nur sekundaer von
Bedeutung.
Ich denke, viel wichtiger als eine blosse Aufzaehlung von Quellen waere
eine inhaltliche Beschreibung des Angebotes: ich bin z.B. mal in der nach
MESH strukturierten Seite des Karolinska-Institutes
(http://www.mic.ki.se/Diseases/index.html)
dem link "prion diseases" gefolgt, und war doch etwas ernuechtert, als
einzige Quelle einen Scientific-American-Artikel von S. Prusiner zu
erhalten.
Ich finde auch, Mailing-Listen und Newsgroups brauchen im Angebot einer
Bibliothek nicht enthalten zu sein. Es ist kein Problem, von einem
Listserver eine komplette Liste der Listen zu erhalten, und die erreichbaren
Newsgroups sind - jedenfalls hier an der FU Berlin - in einer Datei auf
dem FTP-Server mit Kurzbeschreibung enthalten. Die Leute, die wirklich an
so etwas teilnehmen moechten, koennen also sehr schnell an diese spez.
Informationen herankommen.
Was (wissenschaftliche) Bibliotheken im Internet fuer ihre Endnutzer
anbieten sollten, ist m.E. das folgende:
- die eigenen Buecher (OPAC)
- Hinweise und links auf *kostenlose* andere groessere
OPAC's zum Recherchieren nach Monographien (da duerfte
eigentlich der Hinweis auf den Verbund, dem die eigene
Bibliothek angehoert, genuegen)
- die eigenen Zeitschriften (als recherchierbare Liste)
- Hinweise und links auf *kostenlose* elektronische
Volltext-Zeitschriften (wie z.B. die CDC-Zeitschrift
"Emerging Infectious Diseases") und Table-of-Contents- u.
Abstract-Previews (wie z.B. "Nature" u. "Science" oder
auch den"Uncover"-Dienst, der ja recherchemaessig kostenlos
ist)
- Hinweise und links auf *kostenlose* Datenbanken (wie z.B PDQ
und div. Gen-Datenbanken
- Andere Hinweise und links nur, insofern sie zu
wissenschaftl. relev. Informationen fuehren (i.d R. also zu
Zeitschriftenartikeln, Forschungsberichten) (hier steckt na-
tuerlich am meisten Arbeit drin, und dahinein werde ich per-
soenlich wohl auch Zeit investieren (muessen)).
Kostentraechtige Informationen sollten nur aufgefuehrt werden, wenn die
Bibliothek sie gekauft hat (z.B. elektron. Volltext-Zeitschriften)
oder den Dienst selber anbietet, z.B. Datenbankrecherchen b. externen
Hosts (klarer Fall: DIMDI) oder elektron. Uebermittlung von
Volltext-Artikeln (wie in Heidelberg).
Insofern werden Bild u. Selbstverstaendnis der Bibliotheken durch
das Internet garnicht so drastisch veraendert, wie man manchmal angesichts
der Diskussionen ueber "Digitale" u. "Virtuelle" Bibliotheken glauben mag.
Soweit meine eigene (und sicherlich noch nicht endgueltige) Meinung.
Schoene Gruesse aus Berlin
Johannes Stegmann
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