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Date: Tue, 24 Oct 95 12:15:52 -0700
From: Oliver Obst <obsto@uni-muenster.de>
To: medibib-l
Subject: Elektronische Fachinformation n der Medizin / ZDM
Die Bayern sind schneller als NRW !
Unter http://www11.informatik.tu-muenchen.de/EFI
ist ein ganz fulminanter Text zu finden. Auszuege s.u. (sorry fuer die Umlaute)
6.5.4 Zugang zu medizinischer Fachinformation mittels einer elektronischen medizinischen
Fachbibliothek
In diesem Pilotprojekt wird ein Ausbildungskonzept erarbeitet und in einer medizinischen
Fakultät umgesetzt, um Medizinstudenten, Wissenschaftler und Ärzte systematisch in
die Benutzung neuester Techniken in der medizinischen Fachinformation einzuführen. Nach
Zielgruppen getrennt sollen Kurse zur effizienten Recherche und zum
Management der recherchierten Daten angeboten werden.
In Kursräumen, der Bibliothek und Arztzimmern sowie an Wissenschaftler-Arbeitsplätzen soll der
Zugang zu elektronischer Fachinformation ermöglicht werden. Darüber
hinaus soll erprobt werden, inwieweit sich das Angebot über die genannte Zielgruppe hinaus auch
auf niedergelassene Ärzte, Pflegepersonal und die breite Öffentlichkeit
erstrecken kann.
Als Grundlage wird eine elektronische medizinische Fachbibliothek aufgebaut, durch die der
Zugang auf Datenbanken und auf Informationsquellen im Internet eröffnet wird.
Dabei soll auch mit neuen Informationsangeboten expertimentiert werden, z.B. mit den
Datenbanken und Informationssystemen des Tumorregisters München, mit Kursen
und Materialien des Postgraduierten-Studiengangs "Öffentliche Gesundheit und Epidemiologie",
mit Projektbeschreibungen und Ergebnissen des Bayerischen
Forschungsverbundes "Public Health -- Öffentliche Gesundheit" und anderer Forschungsverbünde,
Forschungsschwerpunkte und Sonderforschungsbereiche, mit
Multimedia-Lernprogrammen führender Medical schools aus den USA, mit "VOXEL-MAN", "Visible
Human" u.a. Für Internet-Ressourcen soll eine Filterfunktion
implementiert werden, die regelmäßig einschlägige Informationsquellen auswertet und wichtige
Information lokal repliziert, so daß unkalkulierbare Antwortzeiten wegen
hoher Belastung des Internet umgangen werden.
Es wird eine Begleituntersuchung durchgeführt, in der das Rechercheverhalten der verschiedenen
Zielgruppen bestimmt und die Relevanz der verschiedenen
Informationsquellen für Fragestellungen in der medizinischen Praxis bewertet wird.
Das Projekt zeichnet sich aus durch seine Breitenwirkung hinsichtlich der erreichten Nutzer
sowie durch die Integration verschiedener Projektträger im medizinischen
Umfeld.
6.5.5 Biotechnologie online
Hohe Komplexität und schnelle Weiterentwicklung der Forschung erfordern in Wirtschaft und
Gesellschaft sowie in der schulischen und universitären Lehre einen möglichst
unmittelbaren Zugriff auf aufbereitetes Datenmaterial und Spezialwissen. Ein rascher
Technologietransfer aus akademischen Forschungsinstituten in die industrielle
Anwendung setzt einen einfachen und direkten Zugang zu aktueller Information über
geographische, fachspezifische und medienspezifische Grenzen hinweg voraus. Dagegen
besteht heute ein erhebliches Informationsgefälle zwischen dem hochentwickelten,
wissenschaftlichen Spezialwissen an den Hochschulen und den potentiellen Anwendern in
Technik und Gesellschaft. Aufgrund des rasanten wissenschaftlichen Fortschritts ist
insbesondere bei aktuellen Themen der Biomedizin und Biotechnologie (Gentechnik,
Gentherapie, AIDS, Ebola etc.) eine fundierte Sachanalyse und Diskussion für den
wissenschaftlichen Laien derzeit nahezu unmöglich. Dies bedingt, daß bei der Behandlung
aktueller Themen in den Medien auf subjektiv aufbereitete Sekundär- oder gar auf
Trivialliteratur zurückgegriffen werden muß. Die Folge ist eine weitverbreitete, diffuse
Technikfeindlichkeit in der Bevölkerung, durch die eine praktische Umsetzung wirtschaftlicher
Innovationen deutlich erschwert wird.
Für einen effizienten Zugang zu Fachinformation an den Hochschulen wäre daher eine
allgemeinverständliche, enzyklopädische Darstellung des Standes der universitären
Forschung wünschenswert. Aufgrund des raschen Fortschritts der Wissenschaft kann dies aber von
herkömmlichen Medien (Fachbüchern, Lexika etc.) nicht geleistet werden.
Moderne Kommunikationsstrukturen wie das Internet wären ideale Werkzeuge, um sowohl den
Anwendern in der Industrie als auch der interessierten Öffentlichkeit in
Wirtschaft und Gesellschaft die benötigte aktuelle wissenschaftliche Information online zur
Verfügung zu stellen.
Vorbedingung für einen gezielten Einsatz von Datennetzen bei der Informationsvermittlung an
wissenschaftlich interessierte Nutzer aus Wirtschaft und Gesellschaft ist jedoch
eine qualitätskontrollierte, didaktische Aufbereitung des Standes der wissenschaftlichen
Entwicklung mittels einer gezielten Plazierung qualitätsgesicherter Fachinformation
durch qualifizierte Institutionen (Universitäten). Mehr noch als in der Vergangenheit ist es
dabei die Aufgabe der Fachwissenschaftler, die Spreu vom Weizen zu trennen.
In dem hier vorgeschlagenen Pilotprojekt ist daher vorgesehen, aktuelle Forschungsinhalte von
renommierten Fachwissenschaftlern unter Einbeziehung der Fachdidaktik für
den direkten Einsatz durch Nicht-Wissenschaftler strukturiert aufzuarbeiten und in
standardisierter, multimedialer Form direkt zugänglich zu machen. Aufgabe der mit
einzubeziehenden Fachdidaktik wird es sein, die Kommunikation zwischen Wissenschaft und
Anwendern zu organisieren, um die Fachinformation in didaktisch reduzierter
Form allgemeinverständlich verfügbar zu machen.
In einer ersten Test- und Aufbauphase soll dieses Konzept in Kooperation mit verschiedenen
Schulen getestet werden. So rasch wie möglich soll die gesammelte Fachinformation dann der
interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Vorgesehen ist auch der Aufbau einer Liste renommierter Fachwissenschaftler, die sich zu einer
direkten Ansprache durch informationssuchende Laien bereiterklären. Hierbei ist nicht allein an
Biotechnologen gedacht, sondern auch an Mediziner, Juristen und Theologen, die kompetent zu
ethischen und rechtlichen Fragen z.B. der Genmanipulation Auskunft geben können. Vorgesehen ist
insbesondere der Aufbau einer Datenbank, in der ratsuchende Bürger für das jeweilige Problem
kompetente Ansprechpartner finden.