AGMB aktuell 2000 ?
Mit dem zweiten Heft schon einen Ausblick auf das Jahr 2000 zu unternehmen, ist mutig um nicht zu sagen waghalsig, gilt es doch erst einmal den bisherigen Rekord von 3(!) Heften für eine deutsche medizinbibliothekarische Zeitschrift einzustellen. Unser Vorgänger, Medizin, Bibliothek, Dokumentation, erschien vor 18 Jahren das letztemal - nach 3 Heften in 3 Jahren. Der aufopferungsvollen Tätigkeit des damaligen Schriftleiters des AGMB-Vorstands, Herrn Dr. M.Wagner, ist es zu verdanken, daß unter dem Titel: "Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen: Mitteilungen" wenigstens die Vorträge und Diskussionen der Jahrestagungen ab 1978 ihren Weg in die Mitgliedschaft fanden. Da selten mehr als die Hälfte der Mitglieder an den Jahrestagungen teilnehmen konnten, war es für die Daheimgebliebenen umso wichtiger, wenigstens auf diesem Wege an dem Erfahrungsaustausch partizipieren zu können. Die Teilnehmer dagegen konnten die Vorträge in aller Ruhe nachlesen und vor dem geistigen Auge noch einmal die wichtigsten (oder vergnüglichsten) Erlebnisse der Jahrestagung Revue passieren lassen.
AGMB aktuell ist - wie man so schön neudeutsch sagt - ein Add-on zu den erfolgreichen Mitteilungen. Zum einen soll der Erfahrungsaustausch auch zwischen den Jahrestagungen intensiviert werden, zum anderen erhalten mit dieser Ausgabe auch Nicht-Mitglieder diese Zeitschrift zugeschickt.
Dies ist umso wichtiger, da professionelle Kommunikation vielleicht den vitalsten Aspekt der beruflichen Entwicklung darstellt, wie Shane Godbolt in einem Rückblick auf die Geschichte des Health Libraries Review bemerkt[1]. Suzanne Bakker, die Redakteurin unseres niederländischen Pendants Biomeditaties, weist darüber hinaus auch auf die immensen Vorzüge für die gesamte Zunft hin (s. Leserbrief S. 12). Die erfolgreiche Kommunikation untereinander und mit den Nutzern wird gerade im Informationszeitalter immer wichtiger, da sich die Bibliotheken dramatischen Veränderungen in der Informationslandschaft gegenüber sehen. Vieles, von dem man geglaubt hat, daß es für alle Zeiten (oder zumindest bis zur eigenen Pensionierung) sicher und verläßlich wäre, wird auf einmal wandelbar und unstet. Man wacht morgens auf und hat das Gefühl, im falschen Film zu sein. Plötzlich heißt es nicht mehr 'Bibliothek' sondern 'Integriertes Informationscenter' - wenn es denn überhaupt noch etwas Physisches gibt, was es zu benennen gilt und sich nicht alles schon im virtuellen Wohlgefallen aufgelöst hat. Man selber ist als Bibliothekar schon halb ausgestorben, denn nicht ihm, sondern dem 'Information Professional' gilt die Zukunft (und selbst der muß in seinem Laufrad immer schneller rennen, um auf der Stelle zubleiben[2]). Manchmal kommt es einem so vor, als ob es für die alltägliche Arbeit hilfreicher wäre, die Festplatte seines PCs zu kennen als die Bedürfnisse der Benutzer - aber genug der Wehklagen, wie immer hat auch diese Medaille zwei Seiten: Der Wandel ist natürlich auch sehr spannend und bringt uns Bibliothekaren zudem die große Chance, persönlich und fachlich an den Anforderungen zu wachsen, uns Kompetenz anzueignen und solcherart dem Nutzer im Informationschaos hilfreich zur Seite stehen zu können.
AGMB aktuell will Ihnen in dieser sich schnellebigen Zeit eine kleine Unterstützung, ein schwindelfreies - manchmal augenzwinkerndes - Refugium sein, wenn sich das Informationskarussell[3] allzu hektisch dreht. Sie mögen selber beurteilen, ob unser Versprechen durch die Beiträge dieses Heftes eingelöst wird. Apropos Beiträge: Jeder, auch der allerkleinste ist herzlich willkommen!
Sie finden in dieser Ausgabe Artikel über das Internet und elektronische Zeitschriften (Suche dein Heil im Internet, Die totale Bescherung, Das Springer-Link-Projekt, Fachzeitschriften mit Internetfiliale). Die totale Bescherung beleuchtet aus kulturwissenschaftlicher Sicht eine kritische Punkte des Internetgebrauchs, während der Artikel über die Pflegezeitschriften ein treffendes Bild auf die gegenwärtigen Bestrebungen der Verleger wirft, ihre Publikationen auch auf dem Internet zu präsentieren. PubMed vs. Lokale Medline-Versionen berührt ein sehr aktuelles und nicht weniger problematisches, ja heikles Thema: Wieso geben Bibliotheken viel Geld für Medline-Lizenzen aus, wenn Medline doch umsonst auf dem Internet zu haben ist - ja sogar von der NLM selbst kostenlos angeboten wird (s. Neuigkeiten - Rubrik)?
Die Medizinbibliothek der RWTH Aachen hat schon den Schritt vom Internet zu Multimedia vollzogen: Sie bietet ihren Benutzern als gut genutzten Service medizinische Multimedia-CD-ROMs an.
In der Reihe Bibliothek Intern freuen wir uns, die Medizinbibliothek Homburg vorstellen zu dürfen. Das Titelbild ziert zwar noch ein Bild der alten Bibliothek, aber schon bald - so ist den Kollegen aus Homburg zu wünschen - wird ein neues Bibliotheksgebäude fertiggestellt sein: Licht am Ende des Tunnels.
Dies und alles Gute wünscht Ihnen für heute
...........AGMB aktuell
Ihr Dr. Oliver Obst
P.S.: Die einzige Möglichkeit, AGMB aktuell regelmäßig zu erhalten, ist, Mitglied in der AGMB zu werden. Einen Mitgliedsantrag finden Sie auf Seite 23.
[1] Shane Godbolt: Editorial - Health Libraries Review: towards 2000. Health Libraries Review 1997; 14(1): 1-3
[2] Rechtzeitig dazu lese ich den ausgezeichneten Bericht von T. MarkHodges über die 96. Jahrestagung der Medical Library Association in Kansas. Wir hören aus der Antrittsrede der neuen Präsidentin Naomi Broering: "We must be active participants on the information highway. [...] We must act at a faster pace." In: Health Libraries Review 1997, 14(1): 43-46
[3] laut Duden: Ka|rus|sell, das; -s, Plur. -s u. -e <franz.> (Drehgestell mit kleinen Mikrofiches, CD-ROMs, an Ketten aufgehängten Büchern o.ä. Informationsmedien, bes. in Bibliotheken (veraltet für Informationscenter)).