Aus der Münsterischen Zeitung vom 16.03.2000:
-tem- Münster.
Frauen mögen Familien- und Liebesromane; Männer tendieren eher zum Abenteuer- und Sachbuch. Rosamunde Pilcher, Barbara Wood und Heinz G. Konsalik führen die Hitliste der Bücher an: Aussagen wie diese scheinen nicht sonderlich neu. In einen wissenschaftlichen Kontext gebracht, bekommen sie jedoch Bedeutung. Nicola Keßler, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Dokumentationsstelle Literatur und Psychiatrie der Westfälischen Wilhelms-Universität, hat das Leseverhalten von Patienten in Krankenhäusern untersucht. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellte sie gestern bei der Jahrestagung für Mitarbeiterinnen in Patienten-, Altenheim- und Heimbüchereien vor.
Die befragten Patienten haben im Oktober und November 1999 Werke von verschiedenen Autoren gelesen. Neben den oben genannten Schöpfern der eher leichten Literatur waren auch Goethe, Grass, Kafka und Co. darunter. "97 Prozent der Gefragten gaben an, dass das entliehene Buch ihre Stimmung positiv beeinflußt habe. Es habe sie die Wirklichkeit vergessen lassen oder sie zum Nachdenken angeregt", erklärte Keßler. Viele Kranke, so die Wissenschaftlerin, nutzten das Buch als Informationsquelle über die eigene Krankheit. Mehr als 90 Prozent schrieben der Lektüre eine in Bezug auf ihren Krankenhausaufenthalt erleichternde Wirkung zu.
Wie Birgit Meyer-Beylage berichtete, die für die Betreuung der Patienten-, Altenheim- und Heimbüchereien des Bistums Münster zuständig ist, war der Kontakt zur Dokumentationsstelle Literatur und Psychiatrie vor Rund zwei Jahren durch den Arbeitskreis Patientenbibliotheken in Münster und Umgebung geknüpft worden. Ziel des Projektes sei es gewesen, genauer zu erfahren wie Kranke auf unterschiedliche Literatur reagieren. "Die vorgestellten Ergebnisse könnten sich unter anderem auf das Sortiment der Patientenbibliotheken auswirken", so Meyer-Beylage. "Es ist denkbar, dass einige Sparten von Büchern ausgemustert werden."
Rund 60 Teilnehmerinnen aus allen Teilen des Bistums nutzten die Gelegenheit, sich im Haus Mariengrund in Gievenbeck zu informieren. Den Nachmittag gestaltete Prof. Dr. Dag Moskopp, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie in Münster, der über das Thema "Die Verantwortung des Arztes - zur Entscheidungsfindung im neurochirurgischen Notfall" referierte.