Silke Schneider
(Köln)
MedPilot (www.medpilot.de)
ist ein medizinisches Informationsportal mit integrierter
Literatur-Bestellkomponente und vielen weiteren Features. MedPilot wurde von
der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZBMed, www.zbmed.de) initiiert und ist mittlerweile
ein Gemeinschaftsprojekt von ZBMed und DIMDI (Deutsches Institut für
Medizinische Dokumentation und Information, www.dimdi.de).
Im Rahmen der Virtuellen Fachbibliotheken wird
MedPilot von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
MedPilot basiert auf der Software SISIS-Elektra,
welche im Rahmen des Projektes weiterentwickelt wurde.
Eckdaten: Projektstart im August 2001, Testbetrieb
seit Juli 2002, offizielle Eröffnung mit Hans-Olaf Henkel im Februar 2003.
Konzept und Entwicklung
Ziel
des Projektes war und ist es, einen nutzerorientierten, schnellen und
datenbankübergreifenden Zugriff auf medizinische Fachinformationen zu
ermöglichen.
Hauptzielgruppe sind Ärzte, Studenten und
Wissenschaftler.
Ein
Informationsportal für Mediziner muss auf die Bedürfnisse von Medizinern zugeschnitten
sein. Was aber wünscht die Zielgruppe?
Eine Online-Umfrage der ZBMed im Sommer 2001
zeigte, dass der Suchvorgang auf erster Ebene so einfach wie möglich gestaltet
sein sollte. Eine einfache Stichwortsuche (Freitext-Suche) nach dem
„Google-Prinzip“ wurde gewünscht. Mit der Auswahl der einzubeziehenden
Datenbanken wollten sich viele Nutzer aus unterschiedlichen Gründen nicht
befassen. Diese Bedürfnisse wurden bei der Planung von MedPilot berücksichtigt.
Das Fachkonzept für die Software wurde aus Nutzersicht erstellt. Bibliothekarische Insiderkenntnisse sollten die MedPilot-Weboberfläche so wenig wie möglich färben. Die Nutzernähe war und ist eines der primären Ziele. Das Fachkonzept wurde mit der auf dem Markt vorhandenen Software abgeglichen. Keine Software entsprach komplett dem Anforderungsprofil. Die Entscheidung fiel zugunsten der Software SISIS-Elektra, welche in Zusammenarbeit mit der Sisis Informationssysteme GmbH entsprechend dem Anforderungsprofil weiterentwickelt wurde. Im Rahmen der Weiterentwicklung wurden u.a. eine Schnittstelle zum Document Order-Receive and Delivery System der ZBMed (DOD-System) und zu Datenbanken und Volltextarchiven des DIMDI realisiert.
Das
Ergebnis
Als
Medpilot-Startseite wurde eine einfache Suchoberfläche mit nur einem
Eingabefeld für die freie Suche (Suche über mehrere Datenbankfelder)
realisiert. Über diese (Abbildung 1) kann der Benutzer unkompliziert seine
Suchbegriffe eingeben und mit einem Klick die Suche in mehreren vordefinierten
Datenbanken (u.a. Medline) starten.

Abbildung
1: Einfache Suche
Für
die differenziertere Recherche wurde die sogenannte Profi-Recherche realisiert
(Abbildung 2). Über die Profi-Recherche sind einzelne Datenbankfelder (Autor,
Titel, ISSN usw.) selektiv recherchierbar und es können Einschränkungskriterien
(Erscheinungsjahr, Dokumenttyp und Sprache) definiert werden. Bei der „Profi
Recherche“ kann der Nutzer auch die einzubeziehenden Recherchedatenbanken aus
einem Datenbankpool selber auswählen. Auch gebührenpflichtige Datenbanken, z.B.
EMBASE, können gewählt werden. Bei diesen Datenbanken sind die Recherche und
die Anzeige des Titels gebührenfrei.

Aktuell sind die folgenden Datenbanken für die Recherche
implementiert:
Gebührenfrei Datenbanken:
·
Medline
·
Medline Alert
·
Cochrane-Reviews
·
CCMed
·
Cancerlit
·
XToxline
·
Springer-Verlagsdatenbank
·
Kluwer-Verlagsdatenbank
·
Thieme-Verlagsdatenbank
·
Gerolit
·
Euroethics
·
Bestandskatalog: ZBMed Medizin
·
Bestandskatalog: ZBMed Ernährung/Umwelt
·
Bestandskatalog: NLM
·
Katalog: Deutsche Zahnärztebibliothek
·
Link-Datenbank
·
BMG-Pressemitteilungen
·
BGI-Pressedienste
·
AnimAlt-ZEBET
·
EZB Regensburg (Online-Zeitschriften)
·
Lehmanns Online Bookshop
·
CCRIS
·
CIVS
Gebührenpflichtige Datenbanken:
·
EMBASE
·
BIOSIS Previews
·
Psyndex
·
Psycinfo
·
AMED
·
CAB ABSTRACTS
·
Elsevier BIOBASE
·
EMBASE ALERT
·
ETHMED
·
FSTA
·
GLOBAL Health
·
IHTA International Health
Technology Assessment
·
IPA international
Pharmaceutical Abstracts
·
ISTPB Index to Scientific and
Technical Proceedings and Books
·
ISTP/ISSHP Index to Scientific
and Technical Proceedings/Index to Social Sciences and Humanities Proceedings
·
MEDITEC
·
SCISEARCH
·
SOCIAL SCISEARCH
Nach dem Start der Recherche werden die
ersten Rechercheergebnisse innerhalb kürzester Zeit angezeigt. Sobald die erste
Datenbank ein Ergebnis liefert, wird dieses präsentiert. Die Treffer werden
dementsprechend zunächst nach Datenbanken sortiert angezeigt und können bereits
gesichtet werden, während weitere Ergebnisse eintreffen. Unnötige Wartezeiten
werden so verhindert.
Im linken Bildschirmbereich werden die
antwortenden Datenbanken aufgelistet. Im rechten Bildschirmbereich erscheinen
die einzelnen Treffer nach Datenbanken sortiert in der Trefferübersicht. In der
Trefferübersicht können die Treffer grob gesichtet werden (Abbildung 3).

Durch
Klick auf den Titel des einzelnen Treffers gelangt der Nutzer zur
Einzeltrefferanzeige (Abbildung 4). Hier können je nach Datenbank auch
Abstracts und z.T. Volltexte (z.B. BGI-Pressedienste) eingesehen werden.

Direkt
anschließend an die Recherche kann geprüft werden, ob und zu welchen
Konditionen ein Dokument bzw. Volltext verfügbar ist.
Es genügt ein Klick auf den Bestellbutton
und sofort wird die Verfügbarkeit bei mehreren Anbietern geprüft und angezeigt
(Abbildung 5).

Abbildung 5:
Verfügbarkeitsanzeige
Je nach Verfügbarkeit können die Dokumente
bestellt oder ausgeliehen werden (klassische Dokumentbestellung über ZBMed oder
Subito) oder bei vorhandener Berechtigung auch direkt online eingesehen werden
(Verknüpfung über die EZB). Zusätzlich
werden elektronische Volltexte der Verlage Springer, Thieme und Kluwer im
Pay-per-View-Verfahren angeboten. Gefundene
Buchtitel können über eine integrierte Schnittstelle auch online im Buchhandel
bestellt werden.
An dieser Stelle
beginnt in der Regel der kostenpflichtige Bereich. Die Registrierung bzw.
Authentifizierung (Login) des Users wird angefordert. Bei Bestellungen in der
ZBMed wird direkt nach dem Login ein ausgefülltes Bestellformular angezeigt,
welches vom User nur noch bestätigt werden muss (Abbildung 6).

Weiß der User
bereits vor der Recherche, was er bestellen möchte, so kann er den Weg über die
Direktbestellung auf der MedPilot-Startseite wählen. Hier sind freie
Bestelleingaben möglich.
Aufgrund
internationaler Nutzung ist MedPilot zweisprachig (englisch und deutsch)
implementiert.
Abgerundet wird das
Angebot durch den sogenannten Literaturagenten. Der Literaturagent ist ein Werkzeug,
mit dem Recherchen automatisiert in definierten Zeitintervallen wiederholt
werden können. Der Nutzer wird dann bei Literaturneuzugängen per E-Mail
informiert. Ein Service, der Wissenschaftlern, Ärzten und Studenten eine
Hilfestellung geben soll, den aktuellen Stand der Forschung zu verfolgen.
Die Mehrzahl der Recherchen erfolgt unspezifisch über die
freie Suche. Häufig werden zusammenhängende Begriffe (z.B. Morbus Crohn) und
auch ganze Titel mit AND-Verknüpfungen gesucht. Das entspricht der
Voreinstellung der Startseite (einfache Suchoberfläche) und deutet darauf hin,
dass die User ihre Suchbegriffe frei eingeben, ohne die Suchlogik zu
überdenken. Ein Klick würde reichen, um die AND-Verknüpfung in eine
Phrasensuche zu verwandeln, doch dies wird nur von wenigen Usern angenommen.
Das Nutzerverhalten wird von uns als Bestätigung des
Gesamtkonzeptes gewertet (Einfache Suchoberfläche mit nur einem Eingabefeld -
Recherche und Literaturbestellung leicht gemacht).
Um die Zufriedenheit und die Wünsche der Nutzer zu
ermitteln, wurde am 4. September 2003 eine MedPilot-Online-Nutzerbefragung
gestartet. Die Ergebnisse sind Ende 2003 zu erwarten; sie werden publiziert.
Die aktuelle Zugriffszahlen liegen bei durchschnittlich 450
Zugriffe pro Tag
Die DFG hat ein zwei jähriges
Folgeprojekt zur Weiterentwicklung von MedPilot bewilligt.
Die Inhalte sind vor allem:
Weitere Planungspunkte:
Dr. Silke Schneider
Deutsche
Zentralbibliothek für Medizin
Koordination
MedPilot
Joseph-Stelzmann-Str.
9
D-50931 Köln
Tel.: 0221-478-7115
E-Mail: silke.schneider@zbmed.de