DIE ZUSAMMENARBEIT DER AKADEMISCHEN BIBLIOTHEKEN IN
POLEN
Aniela
Piotrowicz, Ewa Grządzielewska, Barbara Torlińska (Posen)
In Polen existieren 11 medizinische
Bibliotheken, die den medizinischen Hochschulen angehören. Die meisten wurden
in den 50er Jahren gegründet. In der Anfangsphase betraf ihre Zusammenarbeit
hauptsächlich den Austausch der Publikationen von Hochschulverlagen, der
Bücherdubletten, sowie die Fernleihe.
Seit dem Jahr 1981 ist die enge
Zusammenarbeit der Bibliotheken auf der Basis gemeinsam erarbeiteter Regeln und
Übereinstimmungen geregelt worden. In diesem Zusammenhang handelt es sich um:
– jährliche, problembezogene
Konferenzen
– Gründung des Koordinationsteams (des
sog. Exekutivrats)
– methodologische Zusammenarbeit bei
der Lösung von aktuellen Problemen
– Durchführung der gemeinsamen
Schulungen und Seminare
– gemeinsame Programme der
bibliothekarischen Didaktik
– Vereinheitlichung der
Fernleihe-Regeln
– Koordination der Zeitschriftenabonnements-Verwaltung
– Zusammenarbeit in der Digitalisierung
der Dienstleistungen im Bereich der wissenschaftlichen Information
– Informationsaustausch über Bücher-
und Zeitschriften-Bestand via Internet (Online-Kataloge, Listen der
neuerworbenen Zeitschriften, Abonnementslisten, usw.)
– Vereinheitlichung der
Computerprogramme für die Gründung eigener bibliographischer Datenbanken
– Gründung eines Bibliothekkonsortiums
für den gemeinsamen Zugang zu weltweiten Datenbanken
– Gründung eines Konsortiums für den
Zugang zu elektronischen Zeitschriften
– Gründung von gemeinsamen
Zeitschriftenkatalogen
– Erfahrungsaustausch im Bereich der
Einführung von integrierten Büchersystemen
– Zusammenarbeit beim Aufbau und bei
gemeinsamer Nutzung der polnischen Sprachversion des elektronischen
Schlagwortkataloges MeSH
– Kooperation mit anderen
ausländischen Bibliotheken
– Errichtung des ersten polnischen,
elektronischen Systems zur Distribution der Kopien von Zeitschriftenaufsätzen doc@med aus dem Gesamtbestand aller akademischen
Medizinbibliotheken.
Die akademischen Bibliotheken
praktizieren eine enge Zusammenarbeit nicht nur untereinander, sondern arbeiten
auch mit der medizinischen Hauptbibliothek sowie mit mehreren, anderen
wissenschaftlichen Bibliotheken zusammen, die ebenfalls an organisierten
Konferenzen, Schulungen und Arbeitskreisen teilnehmen.
There are
11 medical academic libraries in Poland. Most of them were established in the
fifties. At the beginning the collaboration between them was limited to
exchange of academic publications and interlibrary loan.
Since 1981 close cooperation has
been developed based on principles and rules once formulated, but constantly
updated and improved:
–
yearly problematic conferences
–
formation of coordinative team
–
collaboration in solving problems
–
organization of common training and seminars
–
common programs of library didactics
–
unification of rules of interlibrary loan
–
coordination in periodicals subscription
–
cooperation in computerization of science information services
–
information exchange on library collections over the Internet (on-line
catalogs, new acquisitions, subscription lists)
–
implementation of unified software for creation of own bibliographic databases
–
creation of medical libraries consortium for common access of worldwide
databases
–
organization of consortial access to electronic journals
–
creation of union catalogs of periodicals
–
experience exchange in implementation of integrated electronic library systems
–
cooperation in creation and common use of Polish version of electronic
–
MeSH – NLM’s controlled vocabulary thesaurus
–
cooperation with foreign libraries
–
creation of the first Polish electronic system of document delivery service doc@med for articles based on medical academic
libraries holdings.
Academic
libraries maintain close cooperation not only among themselves but also
collaborate with Main Medical Library and numerous libraries of scientific
institutes, which take part in common conferences, seminars and meetings.
In Polen gibt es
medizinische Bibliotheken von unterschiedlichen Größe und differenzierten
Aufgaben. Entweder sind sie ein Bestandteil der medizinischen Hochschulen und
wissenschaftlichen Instituten oder sie gehören Krankenhäusern oder anderen
Institutionen aus dem Bereich der Gesundheitsprophylaxe an. Im 1949 wurde aus
der Initiative des Ministeriums für Gesundheitswesen die Ärztliche
Hauptbibliothek (GBL) ins Leben gerufen. Diese Bibliothek sollte die Aufgabe
einer medizinischen Zentralbibliothek erfüllen. Heutzutage hat die GBL 16
Filialen in verschiedenen Städten Polens, vorwiegend in Krankenhäusern sowie in
den Sitzen der Ärztekammer.
Die meisten akademischen Bibliotheken wurden in den 50er gegründet,
zusammen mit den Medizinischen Akademien. Die Strukturen der Bibliotheken
ähneln sich, jede fungiert als ein hochschuleigenes Informations- und
Bibliotheksystem. Dazu gehören Zentralbibliothek, Klinik-Instituts-Bibliotheken
und zahlreiche kleine Fachinstitutsbibliotheken.
Die Traditionelle
Formen der Zusammenarbeit
Die Gemeinsamkeiten der
Aufgaben von den Hochschulbibliotheken haben dazu geführt, dass diese schon
früh versucht haben, nach verschiedenen Formen der Zusammenarbeit zu suchen. Zu
Beginn beschränkte sich Kooperation auf:
– Austausch von
Publikationen der Hochschulverlage und Dubletten,
– Austausch von
Informationen über Bibliotheksbeständen,
– Verbreiten von
Neuerwerbungsverzeichnissen,
– Gründung von
Zeitschriftenkatalogen.
Im Laufe der Jahren
haben die medizinischen Bibliotheken ein Bedarf nach Vertiefung der
Zusammenarbeit und des Austausches von Erfahrungen entwickelt. Am Anfang der
80er tauchte die Idee auf, jedes Jahr Konferenzen der medizinischen
Bibliotheken zu veranstalten, die sich mit Analysen und Lösungen von Problemen
beschäftigen sollten. Darüber hinaus sollte nach neuen Formen der
Zusammenarbeit und einer Vereinheitlichung der Vorgehensweisen gesucht werden.
Die erste Konferenz solcher Art, deren Schwerpunkt der Austausch von
Informationen über die aktuelle Bibliotheksbestände war, fand im Dezember 1981
in Gdańsk (Danzig) statt.
Um die Tätigkeit der
Bibliotheken zu koordinieren wurden Initiativen gestartet, die zur Verbesserung
der Zusammenarbeit führten. So sind in folgenden Jahren entstanden:
1981–1987 –
Vereinbarung der Direktoren von medizinischen Hochschulbibliotheken,
1988–1997 –
Koordinationsausschuss für die Fernleihe von medizinischen Bibliotheken,
1998 – Direktorenrat
der Medizinischen Bibliotheken sowie ein Dreipersonen-Exekutivorgan.
Aus der Initiative des
Koordinationsteams oder einzelnen Bibliotheken begann man zahlreiche
Arbeitstreffen, Seminare und Konferenzen zu organisieren:
1988 – Seminar mit dem
Schwerpunkt “wissenschaftliche Information“ im elektronischen Format,
1990 – Treffen von
Personen, die die Fernleihe verwalten,
1992 – Konferenz mit
dem Schwerpunkt: Zugang von Datenbanken aus CD-ROM im lokalen Netz,
1992 – Beratung
bezüglich der Automatisierung von Arbeiten an dem Zentralkatalog der
Zeitschriften,
1997 – Konferenz:
Elektronische Informationssysteme,
seit 1999 – jährliche
Teilnahme der Bibliotheken an den Konferenzen der Gesellschaft “Internet für
Mediziner“,
2000 – Schulung, die
der Methodik der Nutzung von Diensten des SUBITO-Systems gewidmet wurde,
2000–2001 – Treffen mit
dem Ziel, die Teilnahmebedingungen der medizinischen Bibliotheken an dem
Allgemeinen Nationalen Zentralkatalog NUKAT zu erarbeiten,
2001 – Erarbeitung von
Bedingungen der Zusammenarbeit von Bibliotheken bezüglich der polnischen
Sprachversion des elektronischen Schlagwortkataloges MeSH,
2001–2002 Festlegung
von Bedingungen der Zusammenarbeit von Bibliotheken im elektronischen System
zur Distribution der Kopien von Zeitschriftenaufsätzen doc@med.
Vereinheitlichung von
Regeln der Fernleihe
Um den Benutzern den
besten Zugang zur Fachliteratur zu ermöglichen, werden dauernd die Regeln der
Fernleihe optimiert.
Es wurden zwei
problembezogene Konferenzen und einige Arbeitstreffen veranstaltet, während
deren einheitliche Regeln bezüglich der Fernleihe festgelegt wurden. Diese
betreffen:
· bibliographische Verifikation,
· Art des Zugänglichkeit von
Dokumenten,
· Versand von Sekundärdokumenten,
· Abschaffung der Ferienpause,
· Entgeltsregeln,
· Ausnutzung des
Telekommunikationsverkehrs.
Die Entscheidung, einen
Teil des eigenen Abonnementsbestandes zu reduzieren, wird nach der Absprache
mit anderen Bibliotheken getroffen, um die Zugänglichkeit zu den abbestellen
Titeln durch andere Einrichtungen zu gewährleisten.
Eine wichtige Rolle von
Koordination der Abonnements spielte der Koordinationsausschuss der
medizinischen Bibliotheken für die Fernleihe.
Die Konferenz aus dem
Jahr 1998 wurde komplett der bibliothekarischen Didaktik (Benutzerschulungen)
gewidmet, in derer Rahmen ein dreistufiges Programm für Vor- und
Nachdiplomdidaktik vorgeschlagen wurde. Dieses Programm wurde in den Kreisen
der Bibliothekare gut aufgenommen.
Alle
Hochschulaufsichtsbehörden wurden über dieses Programm informiert und
aufgerufen, dies auch zu nutzen. Die meisten Bibliotheken haben dieses Programm
eingeführt.
Gründung von
gemeinsamen Zeitschriftenkatalogen
Um den Zugang zu
Informationen über die Lokalisierung der Zeitschriften zu vereinfachen, haben
die Bibliotheken beschlossen, einen zentralen Zeitschriftenkatalog anzulegen.
Hintereinander erschienen:
• Verzeichnis der ausländischen
Zeitschriften, die von den medizinischen Bibliotheken abonnierte werden,
publiziert von GBL (die Ärztliche Hauptbibliothek),
• Hauptkatalog der in
Westeuropa und Amerika zwischen 1975–1993 und 1984–1986 erschienenen
Zeitschriften, zusammengestellt von einem bibliothekarischen Zentrum aus
Bialystok,
•
Seit 1993 wurde dieser Katalog in der elektronischen Version entwickelt;
gegenwärtig ist er über die GBL-Website zugänglich.

http://195.187.98.4/cgi-bin/wspd_cgi.sh/WService=wsbroker2/wc_opac.w
Digitalisierung der
Dienstleistungen im Bereich der wissenschaftlichen Information
Die
computerunterstützte Dienste in dem Bereich der wissenschaftlichen Information
begannen mit der Einführung von elektronischen wissenschaftlichen
Informationssystemen. Die ursprüngliche Bemühungen richteten sich auf:
• Ausstattung der Bibliotheken mit den bibliographischen
Grunddatenbanken,
• elektronische Zeitschriftenkataloge,
• Einrichten von
eigenen Informationsquellen, z.B. library holdings, bibliographische Datenbanken
der polnischen medizinischen Literatur,
Im Jahr 1996 erschien
die erste Webseite der medizinischen Bibliothek im Internet.
Informationsaustausch
über Datensammlungen via Web-Seiten
Heutzutage verfügt jede
medizinische Bibliothek eigene Web-Seite, über welche ermöglicht man Zugang zu:
• Informationen über diverse Adressen,
• Online Katalogen,
• Neuerwerbungsverzeichnisse,
• Abonnementslisten,
• eigenen bibliographischen Datenbanken,
• Diensten, die Auskunft über die Zugänglichkeit im Internet von
elektronischen Zeitschriften, digitalen Lehrbüchern, Atlassen und Wörterbüchern
geben, aktuellen Berichten.
doc@med- das
elektronische System zur Distribution von Zeitschriftenaufsätzen

http://www2.bg.am.poznan.pl:8585/o.php
Dieses System
ermöglicht, auf dem elektronischen Wege eine Kopie von Zeitschriftenaufsätzen
zu verschicken, die sich in der Druckversion in den Bibliotheken befinden.
Die
Zeitschriftendatenbank enthält zurzeit 3800 Zeitschriftentitels aus 8
Bibliotheken, die in diesem System arbeiten. Die Größe des Bestandes wird sich
mit jedem folgenden Beitritt einer neuen Bibliotheken vergrößern.
Das erste Konsortium
wurde im Jahr 1999 gegründet und hatte ursprünglich ein Ziel, die vorteilhaften
Einkaufsbedingungen der bibliographischen Datenbank EMBASE zu ermöglichen.
Die Bibliotheken nehmen
auch an anderen Konsortien teil, die zu folgenden Zwecken gegründet wurden:
– Zugang zu den
elektronischen Paketen von Volltextzeitschriften (Academic Press IDEAL,
Springer LINK, Elsevier Science Direct, Blackwell SYNERGY, Eifl Direct),
– Einkauf der Lizenz für den Zugang zu den bibliographischen Datenbanken
(Current Contents, Science Citation Index),
– Einführung des
integrierten Bibliothekssystems: HORIZON (Poznań, Lódz), Aleph
(Katowice, Szczecin, Białystok), VTLS (Kraków),
TINLIB (Bydgoszcz).
Vereinheitlichung von Computerprogrammen für
die Gründung eigener bibliographischen Datenbanken
Die medizinischen
Bibliotheken haben lange Tradition in der Dokumentation der wissenschaftlichen
Publikationen sowie Erfassung der bibliographischen Daten. Die Ärztliche
Hauptbibliothek in Warszawa beschäftigt sich mit der Erfassung der Polnischen
Ärztlichen Bibliographie, die akademische Hauptbibliotheken dagegen mit der
Erfassung der eigenen wissenschaftlichen Publikationen.

http://test.bg.am.poznan.pl/bazy/publikacje/
Die wissenschaftlichen
Publikationen werden zurzeit in den medizinischen Hochschulbibliotheken an Hand
des bibliographisch-bibliometrischen Systems “Expertus“ erfasst. Im Jahr 2001
wurde in “Expertus“ die Polnische Ärztliche Bibliographie integriert.
Erfahrungsaustausch im
Bereich der Einführung von integrierten Büchersystemen
Die Prozesse der Einführung
von integrierten Büchersystemen begannen in den medizinischen
Hochschulbibliotheken im Jahr 1997. Die Bibliotheken tauschten eigene
Erfahrungen mit diesen Bibliotheken aus, die erst ihre Arbeit in diesem System
begannen.
Es wurden
Präsentationen, Konsultationen und Arbeitsbesuche in den Bibliotheken aus Lodz,
Poznan (Posen) und Wrocław
(Breslau)organisiert.
Im Jahr 2001 wurde die
englisch-polnische Version von dem Katalog MESH auf dem Server der Hauptbibliothek
der Medizinischen Hochschule Poznan abgelegt. Dies war möglich dank eines dafür
geschaffenen innovativen von Computerprogramms – “polnische Suchmaschine MeSH“.
Der Katalog hängt mit keinem Bibliothekssystem zusammen. Die Bibliotheken, die
an seiner Erweiterung mitwirken, haben Zugang dazu via Internet.

http://test.bg.am.poznan.pl/mesh/
Die Bibliotheken
entwickeln individuell sowie in Zusammenarbeit mit anderen Bibliotheken,
Kooperationen mit ausländischen Einrichtungen durch:
• Fernleihe im Rahmen SUBITO,
• Gegenseitigen Austausch von Dubletten und Zeitschriftenkopien,
• Teilnahme an verschiedenen Konferenzen und Aktivitäten im Rahmen
von EAHIL,
• Schulungen für Bibliothekare aus Mittel- und Osteuropa.

Infolge einer
intensiven Zusammenarbeit der medizinischen Bibliotheken wuchs das seit
mehreren Jahren erscheinende Bulletin der Ärztlichen Hauptbibliothek
zu einer Hauptplattform aller medizinischen Bibliotheken heran. Zum Ausschuss
der Redaktion dieses Bulletins gehören Direktoren aller Hochschulbibliotheken,
welche über den Inhalt der nächst zu erscheinenden Ausgabe entscheiden.
Die akademischen
Bibliotheken praktizieren eine enge Zusammenarbeit nicht nur untereinander,
sondern arbeiten auch mit der medizinischen Hauptbibliothek sowie mit mehreren,
anderen wissenschaftlichen Bibliotheken zusammen, die ebenfalls an
organisierten Konferenzen, Schulungen und Arbeitskreisen teilnehmen.
Aniela Piotrowicz
Ewa Grządzielewska
Barbara Torlińska
Biblioteka Główna Akademii Medycznej w Poznaniu (Posen)
Polen