Kompetenzzentrum für Literatur und Information in einer

privaten Krankenhauskette:

Die Zentralbibliothek der HELIOS Kliniken Gruppe

 

Betty Johannsmeyer (Berlin)

 

 

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Ortsteil Buch im Norden Berlins Krankenhausstandort. In den 5 dezentral verteilten Standorten des Klinikums Buch arbeiteten 1989, also vor der Wende, ca. 4800 Mitarbeiter und behandelten die Patienten in den ca. 3000 Planbetten. Nach der Wende im Jahr 1990 wurden 2 Krankenhäuser des Staatsapparates der DDR dem Klinikum Buch angegliedert.

In allen 3 Einrichtungen gab es mehrere Fach- und Patientenbibliotheken, die zusammengelegt bzw. geschlossen wurden. Das Personal wurde sukzessive abgebaut, so dass im Jahr 2000 vor der Übernahme des Klinikums Buch durch die HELIOS Kliniken GmbH von den insgesamt 25,5 bibliothekarischen Mitarbeitern noch 7 Bibliothekarinnen in 1 medizinischen Fachbibliothek, 1 Zweigstelle Recht und Technik und 4 Patientenbibliotheken arbeiteten.

Im Juni 2001 wurde das Klinikum Berlin-Buch zu 100% durch HELIOS übernommen. Die HELIOS Kliniken GmbH ist ein privater Krankenhausträger, der an 23 Standorten Krankenhäuser und Kliniken unterschiedlicher Größe betreibt, darunter 3 Krankenhäuser der Maximalversorgung und 2 universitäre Kliniken.

Unter der Trägerschaft von HELIOS wurden die Patientenbibliotheken im Klinikum Buch geschlossen und die Zweigstelle Recht und Technik wurde der medizinischen Fachbibliothek angegliedert.

Gleichzeitig bauten die 5 verbliebenen Bibliothekarinnen eine HELIOS-weit zur Verfügung stehende Zentralbibliothek auf. Über das Bibliotheksportal im HELIOS-Intranet können die Mitarbeiter aller 23 HELIOS-Kliniken auf die Angebote zugreifen. Über eine strukturierte Oberfläche erhalten sie Zugang zu Informationen der Zentralbibliothek und zu Angeboten im Internet und können mit der Bibliothek kommunizieren.

Als Kompetenzzentrum für die Versorgung mit Literatur und Information arbeitet die Zentralbibliothek mit den medizinischen Gremien des Konzerns zusammen, um bedarfsgerechte Angebote zu unterbreiten und Unterstützung der Bibliotheksarbeit zu erhalten. Es wurde ein Bibliotheksbeirat gegründet, der als Vermittler zwischen Nutzer und Bibliothek einerseits und Bibliothek und Geschäftsführung andererseits fungiert. Darüber hinaus versteht sich die Bibliothek als Dienstleister innerhalb des Unternehmens, der über seine Leistungen informiert, für seine Angebote  wirbt und somit die Bedürfnisse der Mitarbeiter zur Weiterbildung und zur Wissensaneignung weckt.

HELIOS strebt die Entwicklung zum wissensbasierten Klinikkonzern an. Ziel ist es, in allen HELIOS-Häusern höchste Qualität in der Patientenversorgung zu erreichen, sowie medizinisch kompetent und wirtschaftlich stark zu agieren. Wissenschaftliche Aktivitäten der Mitarbeiter in klinischer Forschung und Lehre werden durch wirksame Maßnahmen unterstützt und gefördert. Darüber hinaus ist es erklärtes Ziel, als Arbeitgeber attraktiver zu werden und motiviertes und engagiertes medizinisches Personal an sich zu binden.

Durch Bereitstellung und Vermittlung von Information und Wissen leistet die HELIOS-weit agierende Zentralbibliothek einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele. Steigende Leser-, Nutzungs- und Zugriffszahlen belegen den Bedarf und die Annahme der Angebote.

 

Since the beginning of the 20th Century the name of Buch, the district in northern Berlin, has been  associated with hospital location. Prior to the political uproar of 1989 around  4800 persons were employed in the five decentralised locations on the site of the Clinical Centre Buch with approx. 3000 hospital beds. After the political change in 1990 two further hospitals of the state apparatus of the former government of the GDR were attached to the Clinical Centre Buch.

Several scientific medical and patient libraries already existing in all three institutions were either pooled together or closed down. The personnel was gradually reduced. In the year 2000 before the HELIOS Hospital Group took over the Clinical Centre Buch 7 librarians only (out of 25,5 members of the librarian staff in the past) worked in 1 medical library, 1 law and technology local branch and 4 patient libraries.

 

In June 2001 the Clinical Centre Berlin-Buch was completely taken over by the HELIOS-group.

The HELIOS Hospital GmbH is a private hospital carrier, which operates hospitals and clinics at 23 different locations, among those 3 hospitals with full range medical services and 2 university hospitals. Under the sponsorship of HELIOS the patient libraries in the Clinical Centre Buch were closed and the

local branch law and technology became part of the medical library.

 

At the same time the 5 remaining librarians organized one single Central Library accessible HELIOS-wide. Over the library portal in the HELIOS Intranet, the staff of all 23 HELIOS hospitals has access to  all services .Via a structured dialog box they have access to all informations in the Central Library and to all offers in Internet as well as communicate with the central library.

As a centre of competence for the supply of medical literature and information the Central Library cooperates with the medical hierarchy of the HELIOS group, in order to offer attractive facilities and to receive support for the library work. A library advisory board was created, which acts as a mediator between users and library on the one hand and library and management on the other hand. Beyond that the library understands itself as a service provider within the concern, which informs about its achievements, promotes its offers and thus creates needs of the staff for further training and for knowledge acquirement.

 

HELIOS aims at the development to a knowledge-based hospital company. The goal of HELIOS is to attain highest quality in the patient supply and medical care in all HELIOS houses as well as to be medically competent and to have a high economical efficiency. Effective measures are taken to promote and support scientific activities of the physicians in clinical research and in teaching . Beyond that the main goal is to become more appealing as an employer and to attract motivated and engaged medical personnel into the Group. Through supply and transfer of information and knowledge the HELIOS-wide acting Central Library makes a substantial contribution for reaching these goals. Increasing numbers of readers and the frequent use and access to the library portal prove the need as well as the acceptance of the services.

 

 

Einleitung

 

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Berliner Stadtteil Buch als Krankenhausstandort bekannt. Auf der grünen Wiese im Norden Berlins schuf der Architekt Ludwig Hoffmann ein architektonisch einmaliges Krankenhausensemble, das im Jahr 1906 als III. Berliner Irrenanstalt eröffnet wurde.

Die Abb. 1 zeigt den Teil II dieser wunderbaren Anlage, in dem sich im vorderen Teil im Haus in der Mitte die HELIOS-Zentralbibliothek befindet und in dem bis 2005 auch der Neubau des HELIOS-Klinikums Berlin entstehen wird.

 

m Laufe der Zeit änderte sich häufig das medizinische Profil der Einrichtung, aber die Nutzung als Krankenhaus blieb bis zum heutigen Tag bestehen.

Bis zur Wende nutzte das Klinikum Buch mit seinen zahlreichen Fachkliniken und medizinischen Instituten die aus 5 örtlichen Bereichen bestehende Hofmannsche Krankenhauslandschaft.

Hier arbeiteten 1989 ca. 4800 Mitarbeiter, und es existierten etwa 3000 Planbetten.

Im Jahre 1990 wurden das Regierungskrankenhaus und das Krankenhaus des Ministeriums für Staatssicherheit dem Klinikum Buch angegliedert, das nunmehr aus 7 örtlichen Bereichen bestand, die sich über den ganzen Stadtteil Buch verteilten.

 

Bibliotheksstruktur vor und nach der Wende

 

So vielfältig und dezentralisiert wie die medizinischen Standorte waren auch die Bibliotheken.

Das Klinikum Buch verfügte nunmehr über

3 medizinische Fachbibliotheken,

2 Informations- und Dokumentationsstellen und

7 Patientenbibliotheken

die in den Folgejahren weitgehend zusammengelegt bzw. geschlossen wurden.

 

Unter der Trägerschaft des Landes Berlin erfolgte ein erster gravierender Abbau der bibliothekarischen Mitarbeiter – meist sozial verträglich und überwiegend durch Berentung.

Im Jahr 2000 gewährleisteten schließlich nur noch 7 Kolleginnen die bibliothekarische Versorgung der Klinikumsmitarbeiter und Patienten. (Tab. 1)

 

Tab. 1: Bibliotheken im Klinikum Buch vor und nach der Wende und im Jahr 2000

 

Jahr

Mitarbeiter

Medizinische Fachbibliotheken

Zweigstellen

Patienten-bibliotheken

1989 vor der „Wende“

 

Klinikum Buch

Regierungskrankenhaus

Krankenhaus d. Ministeriums f. Staatssicherheit

 

Gesamt

 

 

 

16,5

4

5

 

 

 

25,5

 

 

1

1

1

 

 

 

3

 

 

2

 

 

 

 

 

2

 

 

5

1

1

 

 

 

7

1990 Wendezeit

 

Klinikum Buch (inklusive Regierungskrankenhaus u. Krankenhaus d. Ministeriums f. Staatssicherheit

 

 

17

 

 

1

 

 

1

 

 

 

6

2000 vor HELIOS

 

Klinikum Buch

 

 

 

7

 

 

1

 

 

1

 

 

4

 

Privatisierung des Klinikums Buch

 

Am 1. Juni 2001 übernahm dann die HELIOS Kliniken GmbH zu 100 Prozent das Klinikum Buch und gleichzeitig den klinischen Teil der zwei universitären Einrichtungen in Buch – es entstand das HELIOS Klinikum Berlin.

Wir reihten uns ein in ein expandierendes Gesundheitsunternehmen mit nunmehr 23 Standorten. Als erster privater Krankenhauskonzern betreibt HELIOS mit den Standorten Berlin, Erfurt und Wuppertal Kliniken der Maximalversorgung. Im Konzern arbeiten zur Zeit 13.500 Mitarbeiter, davon 1750 Ärzte, und jährlich werden ca. 260.000 Patienten in den über 7.500 Betten behandelt (Abb. 2).

 

Wir stellten uns die bange Frage, ob sich ein privater Gesundheitskonzern eigene Bibliotheken leisten würde.

Als der HELIOS Konzern das Klinikum Buch übernahm gab es hier nur noch 1 Medizinische Fachbibliothek,

1 Zweigstelle Recht und Technik und 4 Patientenbibliotheken mit insgesamt 7 Mitarbeiterinnen, wovon 2 auf eigenen Wunsch im Öffentlichen Dienst verblieben.

Innerhalb eines Jahres wurden die Medizinische Fachbibliothek und die Zweigstelle Recht und Technik zusammengelegt. Alle 4 Patientenbibliotheken wurden geschlossen.

 

Nach der Übernahme durch den HELIOS-Konzern blieb also eine medizinische Fachbibliothek bestehen.

Die kränkelte aber durch Stellenabbau und unzureichende EDV-Ausstattung unter der Trägerschaft des Landes Berlin seit der Wende auch vor sich hin. So konnten Vorstellungen von einer eigenen Bibliotheksportalseite vorerst nicht umgesetzt werden. Zwangsläufig begnügten wir uns damals damit, unsere ca. 100 Online-Zeitschriften über einen Link auf der dürftigen Intranetseite des Klinikums zur Verfügung zu stellen.

 

Wir sind jetzt noch 5 Kolleginnen, die in der Medizinischen Fachbibliothek arbeiten und zusätzlich halbtags die Bibliothek der Robert-Rössle-Klinik verwalten, deren klinischer Teil von HELIOS bewirtschaftet wird.

Trotz des geschrumpften Personals, aber mit guten technischen Voraussetzungen loteten wir die Möglichkeiten der Medizinischen Fachbibliothek bei HELIOS aus und beschlossen:

 

Wir werden die Zentralbibliothek des gesamten HELIOS-Konzerns.

 

Material und Ideen für eine Virtuelle Bibliothek lagen abrufbereit in der Schublade und die elektronischen Medien machen es möglich.

Ganz im Gegensatz zu unseren ehemaligen Verwaltungschefs, die Anfang 2000 noch der Meinung waren, dass das Internet im Klinikum Buch in absehbarer Zeit keine wesentliche Rolle spielen wird, setzt HELIOS auf Eigeninitiative und auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Es existieren sowohl Internet als auch Intranet, und die EDV-technischen Ausstattungen in den Kliniken sind gut und werden sukzessive verbessert - also beste Voraussetzungen für uns, unsere Angebote HELIOSweit zugänglich zu machen

 

Tabelle 2: HELIOS Kliniken Gruppe: Ziele

 

Ziele

Maßnahmen

 

Med. Qualität d. Patientenversorgung auf höchstem Niveau

 

 

Wissensbasierte Medizin (Evidence Based Medicine)

 

Medizinische Kompetenz und wirtschaftliche Stärke

 

HELIOS Akademie

(umfassende Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter)

 

 

Förderung der klinischen Forschung und Lehre

 

- HELIOS Research Center

  (unterstützt forschungsaktive u. wissenschaftlich

  arbeitende Mitarbeiter)
- Vergabe von Innovations- u.   Wissenschaftspreisen

- Vergabe von Publikationsprämien

- Kooperation mit der Charité und dem MDC

 

 

Schon in den ersten Monaten unserer Arbeit unter dem neuen privaten Träger begriffen wir, dass unsere Chance darin besteht, als HELIOSweit agierende Zentralbibliothek und Informationsstelle die ehrgeizigen Ziele der HELIOS Kliniken Gruppe mit unseren Angeboten wirkungsvoll zu unterstützen.

Die in der Tabelle 2 genannten Ziele wie medizinische Qualität der Patientenversorgung auf höchstem Niveau, medizinische Kompetenz und wirtschaftliche Stärke und Förderung der medizinischen Wissenschaft und der klinischen Forschung und Lehre setzen eine Versorgung der Mitarbeiter mit Information und Literatur geradezu zwingend voraus – soll heißen: Wir passen ins Konzept!

 

Das Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken

 

Ganz im Sinne der bei HELIOS bereits vorhandenen Kompetenzzentren mit gebündeltem Wissen, das allen Häusern der Klinikengruppe zur Verfügung steht, gingen wir daran, unsere Kompetenz für wissenschaftliche Literatur und Information unter Beweis zu stellen.

Und wir hatten Erfolg. Knapp 11 Monate später, im Mai 2002, hatten wir - nach einer Übergangslösung im HELIOS Intranet - ein eigenes Bibliotheksportal.

 

Mit dem Bibliotheksportal haben wir eine Virtuelle Bibliothek aufgebaut, die den Mitarbeitern HELIOSweit rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Es schafft Zugang zu Angeboten der Zentralbibliothek, bietet strukturierten Zugriff auf Informationen im Internet und ist Kommunikationsmittel zwischen der Bibliothek und den Nutzern in den 23 HELIOS-Häusern.

Wir stellen im Bibliotheksportal sowohl endnutzergeeignete Angebote zur Verfügung, bieten aber auch weiterhin Recherchen und Literaturlieferungen als Dienstleistung an. Wir wollen damit unsere Ärzte, deren Zeitbudget ohnehin ausgebucht ist und deren Hauptaufgabe vorrangig in der klinischen Arbeit besteht, unterstützen und ihnen mit geringem eigenen Zeitaufwand die gewünschten Informationen liefern.

 

Auf der Startseite (Abb. 3) finden die Nutzer wichtige Informationen wie Ansprechpartner, Öffnungszeiten, eine Skizze zur Lage der Zentralbibliothek und Angaben zum Bestand. Für die auswärtigen HELIOS Kliniken bieten wir einen kleinen Rundgang durch die Bibliothek in Bildern an.

Zur schnellen Orientierung dient das Register. Von A bis Z findet der Nutzer hier die Inhalte des Bibliotheksportals.

 

Für den schnellen Zugriff stellen wir gleich auf der Startseite unter der Überschrift „Mit einem Klick ins Netz“ die wichtigsten Links zusammen, so z.B. Nachschlagewerke und den Zugang zu den Volltexten elektronischer Zeitschriften.

 

Unter der Rubrik „Wussten Sie schon.....?“ verfassen wir Beiträge zur Information über Neuerungen rund um die Arbeit mit der Literatur, also z.B. zum wissenschaftlichen Publizieren, zu elektronischen Medien und ihrer Nutzung, zu Datenbanken, zu Alert-Diensten und zu neuen zukunftsweisenden Projekten wie z.B. German Medical Science, dem deutschen Beitrag von ZBMed, DIMDI und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur Open-Access-Initiative und zum Online-Publishing.

 

Bei „Teuflischen Problemen“ beim Gebrauch unserer virtuellen Bibliothek hilft unser rotes Teufelchen. Wir reagieren auf Fragestellungen aus der Praxis. Hier erhält der Nutzer Antworten auf EDV-technische Probleme, aber auch Hinweise zu möglichen Ursachen, wenn der Zugriff auf elektronische Journals nicht funktioniert oder auch der Ausdruck der pdf-Dateien nicht gelingt.

 

In der Mitte der Startseite werden chronologisch alle Neuerungen oder Änderungen im Bibliotheksportal bekannt gegeben, bevor die sachliche Einordnung in die Angebote erfolgt. Damit erhalten die Nutzer die Möglichkeit, Neuigkeiten und Informationen schnell zu bemerken und für sich deren Nutzen zu testen.

 

Über auffällige Links kommt man auf zwei wichtige Unterseiten des Bibliotheksportals, die die Angebote der Zentralbibliothek und Angebote im Internet strukturiert verzeichnen.

 

Auf der Seite „Angebote der Zentralbibliothek“ (Abb. 4) findet der Nutzer alle Bestände, Lizenzen und Dienstleistungen  der Zentralbibliothek.

Es wird u.a.

-           der Bestand nachgewiesen,

-          der Nutzer erhält Zugang zu den lizenzierten elektronischen Zeitschriften und

-          kann hier seine Bestellungen aufgeben.

 

Im Mittelpunkt der Seite „Angebote der Zentralbibliothek“ befindet sich das Online-Bestellcenter.

Hier stellen wir elektronische Formulare zur Verfügung, mit denen Recherchen und Literatur angefordert und Erwerbungsvorschläge übermittelt werden können (Abb. 5).

 

Eines der wichtigsten Angebote ist natürlich der Zugang zu den Volltexten elektronischer Zeitschriften.

Zur Zeit stehen HELIOSweit die Volltexte von 210 Zeitschriften online zur Verfügung.

Zugang zu den elektronischen Zeitschriften bekommt der Nutzer über die Abonnementliste, in der er auch weitere Informationen erhält, wie z.B. zusätzlich zum IP-Check notwendige Zugangskennungen oder auch Informationen darüber, ob alle HELIOS-Kliniken Volltextzugang haben oder nur die Zentralbibliothek und der Standort Berlin (Abb. 6).

 

Weiterhin bieten wir unseren Lesern den umfangreichen Service der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek an, in der unsere lizenzierten Bestände integriert sind. Zusätzlich zu unseren 210 elektronischen Journals bekommt der Nutzer Zugang zu den Volltexten von ca. 1100 frei verfügbaren medizinischen E-Journals (Stand: Sept. 2003).

Wir verweisen auch immer wieder auf die Nützlichkeit der EZB für die regelmäßige Durchsicht nicht-abonnierter Zeitschriften, die ja in den meisten Fällen bis zu den Abstracts frei verfügbar sind. (Abb. 7)

 

In Zusammenarbeit mit den Fachgruppen der HELIOS-Kliniken-Gruppe stellen wir im Bibliotheksportal fachgruppenspezifische Literaturseiten zur Verfügung. Dort finden die Mitarbeiter die für ihr medizinisches Spezialgebiet relevanten Literaturangebote und Informationen vor (Abb. 8).

 

In unserer Rubrik Lehrgänge bieten wir in Fortsetzungen die unterschiedlichsten Schulungen an. Ziel ist es, den Nutzer zu befähigen, ohne Zwischenschaltung eines Informationsvermittlers medizinische Literatur und Information zu ermitteln und über Online-Zugänge weitgehend selbst auf die Volltexte zuzugreifen.

Auf unserem „Stundenplan“ stehen z.B. Lehrgänge zur Datenbankrecherche in PubMed (Abb. 9) und zur Nutzung elektronischer Medien.

 

Jeden Monat informieren wir über aktuelle Publikationen von HELIOS-Mitarbeitern und verlinken die Zitate mit Medline (Abb. 10).

 

Zwar ein bisschen „off topic“, aber inzwischen recht beliebt, ist unsere Rubrik „Lust auf Belletristik?“, die die Mitarbeiter ins Bibliotheksportal lockt und somit auch die Funktion als Killer-Applikation erfüllt. Mit kleinen Rezensionen geben wir monatlich Buchtipps, um zum Lesen nichtfachlicher Literatur anzuregen (Abb. 11).

Die Entwicklung geht erfreulicherweise dahin, dass sich HELIOS-Mitarbeiter mit eigenen Rezensionen beteiligen und sich somit ein kleines HELIOS-internes Leseforum entwickelt.

 

Unter der Rubrik „Weise Gedanken und flotte Sprüche“ zitieren wir berühmte und auch mal berüchtigte Menschen aus Medizin und Wissenschaft. Wir zitieren nicht nur ihre Weisheiten, sondern geben immer auch wichtige Informationen über ihr Leben, ihr Werk und ihre Verdienste (Abb. 12).

Beim Erarbeiten dieser Informationen bin ich mitunter selbst erstaunt, wie wenig ich über diese Personen wusste. Mit dieser zweiten Killer-Applikation locken wir wiederum ins Bibliotheksportal, und frischen damit aber auch das Wissen der Leser auf.

 

Eine zweite wichtige Unterseite des Bibliotheksportals sind die Angebote im Internet.

Wie in den meisten Bibliotheken üblich haben wir hier hilfreiche Links zu Informationen und Quellen im Internet zusammengetragen und strukturiert. Hier findet der Nutzer u.a. frei zugängliche Datenbanken, Bücher und Zeitschriften, digitale medizinische Lernprogramme und nützliche Links zur Arbeitsorganisation (Abb. 13).

 

Soweit zu einigen wichtigen Inhalten unseres Bibliotheksportals.

 

Aktivitäten zur Etablierung der Zentralbibliothek

 

Uns war bewusst, dass es nicht damit getan ist, einfach ein Bibliotheksportal ins Intranet einzubinden und darauf zu warten, dass von selbst ein „Run“ darauf einsetzt.

Deshalb sind uns folgende Aktivitäten wichtig:

  1. Zusammenarbeit mit den medizinischen Gremien im Konzern
  2. Information über und Werbung für unsere Angebote
  3. Bereitstellung von „Gebrauchsanleitungen“ für das Bibliotheksportal

Für die Planung unserer Angebote ist die Zusammenarbeit mit den HELIOS-internen medizinischen Gremien von großer Bedeutung: das ist einmal der Medizinische Beirat, der die Geschäftsführung in medizinischen Fragen berät,  und das sind weiterhin die Medizinischen Fachgruppen, die für die Weiterentwicklung der medizinischen Standards und für den wissenschaftlichen Transfer zwischen den HELIOS-Mitarbeitern sorgen.

Im August vergangenen Jahres gründeten wir einen Bibliotheksbeirat. Die Mitglieder kommen aus kleinen, größeren und universitären HELIOS-Häusern und vertreten deren spezifische Interessen.

In diesen Gremien loten wir aus, welche Anforderungen der Mitarbeiter an die Bibliothek bestehen. Wir wollen damit vermeiden, dass wir am Bedarf vorbei arbeiten, schaffen uns Unterstützung und bauen uns eine Lobby auf.

Über diese Gremien erfolgt weiterhin eine Vermittlung zwischen Nutzer und Bibliothek und zwischen Bibliothek und Geschäftsführung.

Und dann gehört ja bekanntlich Klappern zum Handwerk. Wir verstehen uns als Dienstleister innerhalb des Unternehmens, der seine Leistungen bekannt machen und dafür werben muss.

 

So haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit den WebMastern in der Konzernzentrale in Fulda aufgebaut, die es uns ermöglicht, die Startseite des HELIOS-Portals (HELIOS-Intranets) zu nutzen, um über das Bibliotheksportal zu informieren und wechselseitig zu verlinken (Abb. 14).

Es werden z.B. Angebote aus den Tiefen des Bibliotheksportals an die Oberfläche geholt und auf der Startseite des HELIOS-Intranets bekannt gegeben.

Ebenso sind einige Seiten aus dem Bibliotheksportal auch über das gelbe Menu des HELIOS-Portals aufrufbar, wie z.B. die Seite „Hilfen zur Arbeitsorganisation“, die nützliche Links ins Internet sachlich bündelt, oder die Seite „Kongresse“.

Mit den WebMastern werden Inhalte und Strukturen abgestimmt, und wir erhalten technische Hilfen.

 

Weiterhin starteten wir eine „PR-Tour“ und wollen im Laufe der Zeit alle HELIOS-Häuser besuchen, um Bibliotheksportal und Zentralbibliothek vor Ort vorzustellen.

Um auch Computer-technisch wenig interessierte Mitarbeiter zu erreichen, werden wir auch weiterhin in „HELIOS aktuell“, einem gedruckten Informationsblatt, das jeder Mitarbeiter regelmäßig mit seiner Gehaltsabrechnung bekommt, über das Bibliotheksportal informieren.

Als nächste Werbemaßnahme haben wir uns auf die Fahne geschrieben, auf jede Anfrage, ob vor Ort, telefonisch oder per Email, geduldig und ausführlich einzugehen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir damit das „Schneeballprinzip“ in Gang setzen. Die zeitaufwendigen Informationen lohnen sich, weil sie weitergegeben werden.

Und außerdem:

Konkrete und nutzerfreundliche Auskünfte und Lösungen sind allemal die beste Werbung.

Die in Tabelle 3 genannten durchschnittlichen Nutzungszahlen widerspiegeln die Inanspruchnahme der HELIOS-Zentralbibliothek.

 

Tab. 3: Durchschnittliche Nutzungszahlen

 

Kriterium

Anzahl / Monat


Ausleihen

Fernleihen
     nehmend
     gebend


1080


230
120


Zugriffe auf das Bibliotheksportal

 


2100


Nachweisbare Zugriffe auf E-Journals:
     via EZB (Zeitschriften)

Nachweisbare Downloads von Volltexten
     (via Springer Link, Thieme-connect,

     Science Direct, OVID)

1200


3800




Recherchen


30


Auskünfte, Anleitungen, Hilfestellungen


900

 

Die Zahlen sprechen für sich. Deutlich ist zu sehen, dass die Online-Zugriffe, die ja leider zur Zeit noch nicht einmal vollständig gezählt werden können, den größten Teil der Nutzung darstellen, und dass die Zahl der Ausleihen von Printmedien dagegen eher klein ist.

Die relativ kleine Zahl an notwendigen Fernleihen spricht wohl auch für einen sinnvollen Bestandsaufbau, den wir kontinuierlich optimieren. Wir orientieren uns an den Wünschen der Ärzte und Mitarbeiter und filtern sie in Abstimmung mit den Fachgruppen und dem Bibliotheksbeirat.

Zunehmend stehen uns dafür auch Nutzungsstatistiken der E-Journals durch die Anbieter zur Verfügung.

Das letzte Wort spricht dann der Verwaltungsleiter als Geldgeber.

 

Wo wollen wir hin? Lizenzen statt Bibliographische Einheiten?

 

Diese Nutzungsentwicklung ermutigt uns auch, die althergebrachte Bibliotheksphilosophie zu verlassen und von einem Bestandsaufbau im herkömmlichen Sinne kontinuierlich abzugehen.

Der Bestand besteht zunehmend weniger aus bibliographischen Einheiten, sondern aus virtuellen Angeboten, die über Lizenzen erworben werden.

So haben wir uns von unserem kaum benutzten Altbestand von Zeitschriftenjahrgängen vor 1980 getrennt.

Monographien werden vor Ort weitgehend als Verbrauchsliteratur benutzt. Nur ein Teil wird in der Zentralbibliothek katalogisiert.

Gleichzeitig sind wir das Wagnis eingegangen, einen Großteil unserer Zeitschriften nur noch online zu beziehen. Voraussetzung dafür war die Zusicherung des Providers, dass die Zeitschriften auf seinem Server online archiviert werden und dass uns auch nach Abbestellung eines Abonnements die erworbenen Jahrgänge weiterhin zur Verfügung stünden.

Ob wir weiter in Richtung online-only gehen werden, hängt von den Erfahrungen ab, die wir damit machen werden, und auch davon, wie sich die Preise und die rechtliche Lage beim Online-Ordering und beim Pay-per-view-Verfahren entwickeln.
Einen sehr interessierten und begehrlichen Blick werfen wir natürlich auch auf alle Open-Access-Initiativen wie z.B. German Medical Sciences.

Ich kann mir die HELIOS-Zentralbibliothek mit ihren spezifischen Aufgaben der Versorgung vieler dezentraler Häuser in der Zukunft durchaus als eine Bibliothek ohne „bibliographische Einheiten“ vorstellen.

Sie wird dann vielleicht so eine Art „Schaltzentrale“ sein, aus einem Raum und wenigen Mitarbeitern an Computern bestehen, die die virtuellen Angebote ermitteln, erwerben, pflegen, strukturiert und bedarfsgerecht anbieten und eine gezielte Information betreiben.

 

Ich fürchte allerdings, dass die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der elektronischen Medien und der Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur und Information meine Vorstellungen recht bald ins Land der überholten Phantasien verweisen wird.

 

Betty Johannsmeyer

Leiterin der Zentralbibliothek der HELIOS-Kliniken

am HELIOS-Klinikum Berlin

Karower Str. 11

13125 Berlin

Tel. +49 30 / 9401-3301

Fax: +49 30 / 9401-3573

E-Mail: BJohannsmeyer@berlin.helios-kliniken.de

Abb. 1: Bereich II des HELIOS Klinikums Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Standorte und Kennziffern der HELIOS Kliniken GmbH

Standortkarte
 


Übernahme des Klinikums Buch: 1. 6. 2001

 

Klinikstandorte:             23

(davon 3 mit Maximalversorgung)

 

Mitarbeiter:            13.000

Ärzte:                      1.670

Betten:                    7.099

Fallzahlen/Jahr:     250.000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Startseite

 

 

Abb. 4:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Angebote der Zentralbibliothek

 

 

 

Abb. 5:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:
Elektronisches Bestellformular

 

 

Abb. 6:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Abonnementliste der E-Zeitschriften

 

 

 

Abb. 7:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Elektronische Zeitschriften via EZB

 

 

 

Abb. 8:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Fachgruppenspezifische Literaturseiten

 

 

 

 

Abb. 9:       Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Medline-Lehrgang

 

 

 

Abb. 10:     Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Publikationen der HELIOS-Mitarbeiter

 

 

 

Abb. 11:     Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Lust auf Belletristik?

 

 

 

Abb. 12:     Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:

Weise Gedanken und flotte Sprüche

 

 

 

Abb. 13:     Bibliotheksportal der HELIOS-Kliniken:
Angebote im Internet

 

 

 

 

 

Abb. 14:     Aktivitäten zur Etablierung der Zentralbibliothek:
Einbindung in das HELIOS-Intranet