Das Phänomen der E-Books wird mit den verschiedenen Typen
von E-Books und ihren potentiellen Anwendungen kurz beschrieben. Der Artikel
geht ausführlich auf die Web-basierten E-Books ein, die besonders für das
akademische Umfeld geeignet sind. Die Implementierung der E-Books an der ETH
Zürich (Eidgenössischen Technischen Hochschule) wird geschildert und
Informationen zu den Firmen, bei denen die ETH E-Books abonniert hat, zu
verschiedenen Formaten und Preismodellen sowie zu Nutzungsstatistiken werden
geliefert. Es wird beschrieben, wie die Anzahl E-Books, die eine Institution
abonniert hat, vergrössert werden kann und warum die Vorteile dieses
Textformats den Web-basierten E-Books in einem akademischen Umfeld mit grosser
Wahrscheinlichkeit auch eine Zukunft garantieren werden.
The phenomenon of e-books is described briefly,
including various types of e-books and their potential applications. The
article focuses on Web-based e-books which are particularly suited to the
academic environment. The implementation of e-books at the Swiss Federal
Institute of Technology (Eidgenössiche Technische Hochschule) in Zurich is
examined, and information is provided on companies through which the ETH has subscribed
to e-books, different formats and pricing models for e-books and usage
statistics. How the number of e-books to which an institution subscribes can be
increased, is described, together with the benefits of e-books in the academic
environment, which will in all likelihood ensure that Web-based e-books have an
ongoing future.
In den letzten paar Jahren wurde dem Thema E-Books
sehr viel Beachtung geschenkt. Bisher wurde der Begriff „e-book“ ganz allgemein
für zwei verschiedene Typen von elektronischen Büchern (Literatur in
elektronischer Form) verwendet. Einerseits bezieht man sich mit diesem Begriff
auf ein portables Gerät, das eigens für den Zweck entwickelt wurde, digitale
Texte darauf lesen zu können. Als E-Books können aber auch elektronische Texte
bezeichnet werden, die man auf dem PC, üblicherweise über das Internet, liest.
Das PC-basierte E-Book-Model richtet sich grundsätzlich eher an einen
institutionellen, akademischen oder geschäftlichen Markt als an individuelle
Käufer. Zudem kann sich der Begriff auch auf eine Kombination des Textes und
des Geräts beziehen. Es herrscht auch keine klare Definition bezüglich des
digitalen Textes selber. Einige E-Books werden elektronisch erzeugt, andere
sind gedruckte Versionen, die in ein digitales Format konvertiert wurden.
Trotz der möglichen Vorteile der E-Books mit
portablen Lesegeräten blieb der viel erwartete Erfolg aus. Im Juni 2003 kündigte die einzige Firma, die im
deutschsprachigen Raum portablen E-Books-Lesegeräte verkauft, die Einstellung
der Produktion und des Verkaufs der Geräte an und teilte auch mit, dass keine
digitalen Inhalte mehr über sie vertrieben würden.
Ein wichtiger Grund für den scheinbar mangelnden
Erfolg der tragbaren E-Books könnte im Fehlen von Standards bei den Geräten,
aber auch bei der dazu benötigten Software liegen. Die relativ hohen Preise und
die mangelnde Qualität der portablen Lesegeräte stellen ebenfalls negative
Faktoren dar. Auch das Fehlen von relevanten oder interessanten Inhalten könnte
ein weiterer Faktor für den offensichtlichen Misserfolg sein. Auch die
fortschrittlichste und handlichste Hardware kann keinen Erfolg der E-Books
garantieren, wenn der Inhalt den Ansprüchen nicht genügt.
Wie auch immer scheint sich, im Gegensatz zu den
E-Books mit Lesegeräten und Software, der Erfolg von Web-basierten
elektronischen Referenzwerken oder Lehrbüchern eher einzustellen. Diese
Referenzwerke werden nicht von Buchdeckel zu Buchdeckel durchgelesen wie
Belletristik. Auf Grund des Mehrwerts, den E-Books mit sich bringen, wie z.B.
der Suche nach Text im Werk oder direkt zur relevanten Stelle verweisende
Hyperlinks, eignet sich dieses Format von E-Book für das schnelle Nachschlagen
in Führern, Handbüchern, Wörterbüchern, Enzyklopädien, etc. Hyperlinks führen den
Leser auf Knopfdruck direkt zu multimedialen Dateien, Grafiken oder in
Beziehung stehenden Informationen. Diese Funktionen bietet dem Leser einen
deutlichen Mehrwert gegenüber dem gedruckten Buch an.
E-Books mit portablen Lesegeräten wurden in einigen
öffentlichen Bibliotheken erfolgreich eingeführt, häufiger in den USA als in
Europa.
Obwohl portable Lesegeräte und elektronische Texte
besonders in öffentlichen Bibliotheken einigen Erfolg feiern konnten, ist laut
Maxymuk (2002) dieser Ansatz dem Rahmen der offenen Architektur nicht
angepasst, die dem Computer in den letzten 20 Jahren den Zugang in alle
Bereiche ermöglicht hat. Die Tatsache, dass die Institution ebenso wie ihre
Benützer gezwungen ist, sich bei der Informationssuche auf nur ein System
einzuschränken, könnte ein Grund für die langsame Akzeptanz der portablen
Lesegeräte in Bibliotheken sein.
Lee et al. (2002) stellen fest, dass mehr als 93% der neu produzierten
Informationen in digitalem Format hergestellt werden. E-Books sind demnach
besonders im akademischen Umfeld nicht mehr zu übergehen. E-Book-Lesegeräte
wurden in einem beschränkten Mass auch in einigen akademischen Bibliotheken
eingeführt, wiederum mehr in den USA als in Europa. Eine Studie über den Nutzen
von elektronischen Büchern für Collegestudenten (Bellaver, 2002) hat ergeben,
dass die Leistung der Studenten, die eine portables Lesegerät im Gegensatz zu
einem gedruckten Lehrmittel benutzten, nicht besser abschnitten als die übrigen
Studenten. Einige Aufgaben wurden als mühsam bezeichnet, wie z.B. das
„Umblättern“, das Suchen nach bestimmten Wörtern oder das Finden eines
bestimmten Kapitels im Text. Auch die kleinen Bildschirme und das Blenden wurden
als Defizite bezeichnet. Die Benutzer der Lesegeräte hatten zudem den Eindruck,
dass sie die Informationen schlechter speichern konnten, als wenn sie ein
gedrucktes Lehrbuch konsultiert hätten.
Wegen der Eignung der Web-basierten E-Books für das
Lernen und für das universitäre Umfeld scheint der Erfolg von in diesem Format
zur Verfügung gestellten Büchern fast garantiert. Armstrong et al. (2002) stellen fest, dass
Web-basierte E-Books in britischen Universitäten jetzt vorherrschen. Bry &
Kraus (2002) glauben, dass spezialisierter Inhalt und Gerätunabhängigkeit die
Web-basierten E-Books zu einer brauchbaren Option machen. Nach Falk (2003) soll
der Gebrauch von E-Books in Schulen, Colleges und Universitäten substantiell
gestiegen sein und weiterhin wachsen.
Eine Anzahl neuer Verleger oder Aggregatoren sind
darum in den letzten Jahren ins Blickfeld geraten und bereits existierende
Verleger haben ihre Produktepalette ausgeweitet, in dem sie Web-basierte
E-Books, besonders in wissenschaftlichen Disziplinen, aufgenommen haben. Viele
sind entweder bekannte Verleger oder bieten Arbeiten von bekannten Verlegern
an, so dass die Beschaffung der E-Books noch attraktiver für den akademischen
Sektor wird.
Die ETH-Bibliothek ist die Hauptbibliothek der
Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sowie das nationale
Informationszentrum für Wissenschaft und Technik.
Unter diesen Rahmenbedingungen ist klar, dass eine
grosse Anzahl von E-Book-Anbietern für die ETH nicht von Interesse sind. Die ETH-Bibliothek
sieht sich demzufolge ausser Stande eine E-Book-Sammlung für
nicht-wissenschaftliche Literatur aufzubauen.
Der erste Kontakt der ETH-Bibliothek zu E-Books
wurde über knovel (http://www.knovel.com)
hergestellt. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die Bibliothek bereits einmal
ein paar wenige Titel elektronischer Referenzwerke abonnierte, die man aber
ebenso gut als Datenbanken hätte bezeichnen können. Alle diese Werke wurden
über das Internet zugänglich gemacht. Die ETH-Bibliothek hat entschieden, von
der Anschaffung von elektronischen portablen E-Books abzusehen, da die
Verwaltung der Geräte und ihres Inhalts zu viele Ressourcen beansprucht hätte.
Zudem fällte die Bibliothek den Beschluss die gedruckten Bücher nicht durch
E-Books zu ersetzen, sondern die Sammlung mit den elektronischen Versionen von
Titeln, die oft bereits Teil der Bibliothekssammlung waren, zu ergänzen. Erst
als sie sich näher mit den von knovel angebotenen Produkten befasste, zog die
Bibliothek einen Provider in Betracht, der zahlreiche Titel in verschiedenen
Themensammlungen, vorwiegend im Bereich Ingenieurwesen und Physik, anbot.
Die Verhandlungen mit knovel über eine umfassende
Sammlung von Titeln waren sehr erfolgreich und eine sehr angenehme Erfahrung.
Die Firma war sehr hilfsbereit, beantwortete Fragen schnell und war auch
schnell mit Lösungsvorschlägen zur Hand. Mit dem Wissen, dass alle neuen Titel
ebenfalls der Sammlung beigefügt und im für ein Jahr ausgehandelten Preis
inbegriffen sein würden, startete die Bibliothek mit eine Paket von allen
damals angebotenen Titeln. Ursprünglich hatte die Bibliothek somit Zugriff auf
ungefähr 170 Titel. Der zeitgleiche Zugriff wurde anfangs anhand der Verlage
der E-Books geregelt, d.h. nur eine abgemachte Anzahl gleichzeitiger
Benutzungen für die Sammlung des gleichen Verlags war zulässig. Dies wurde
später durch eine gleichzeitige Nutzung pro Titel ersetzt. Knovel bietet Titel
einer Anzahl bekannter wissenschaftlicher Verlage an, wie z.B. CRC Press,
McGraw-Hill und Butterworth-Heinemann, und ist daher ein Aggregator und nicht
ein eigentlicher Verlag. Kürzlich hat die Firma aber auch damit begonnen,
eigene Werke zu publizieren. Gegenwärtig gibt es mehr als 480 Titel in den
Sammlungen. Hawkins (2002) lobt, dass sich Knovel der Notwendigkeit einer
breiten Kundenbetreuung bewusst ist. So muss ein umfassendes Produkt neben dem
eigentlichen Produkt auch die Bibliothek, die Schulung und das
Marketingdepartement miteinbeziehen, um für den Enduser attraktiv zu sein. Der
Erfolg von Knovel liegt darin begründet, dass das System speziell auf die
Bedürfnisse des Benutzers ausgerichtet wurde.
Gegen Ende 2001 gab Wiley bekannt, dass sie ihre
Werke ebenfalls im online-Format abgeben würden. Da die ETH-Bibliothek eine
bedeutende Anzahl Wiley-Bücher in ihrer Sammlung aufwies, war sie an einem
Produkte-Paket von E-Books dieses bekannten Verlags sehr interessiert. Wiley
teilt seine Titel ebenfalls in Themensammlungen auf (http://www3.wileyinterscience.com/bookfinder.html). Hier abonnierte die Bibliothek sieben
Themensammlungen, die insgesamt etwa 180 Titel enthielten. Momentan hat die
Bibliothek zu mehr als 340 Titeln Zugang.
Nachdem die E-Books von Knovel und Wiley erfolgreich
implementiert worden waren, testete die Bibliothek die von CRC Press und Kluwer
Academic Publishers offerierten Produkte.
CRC Press entwickelte eine Website http://www.crcnetbase.com, die auch nach
Themensammlungen aufgegliedert ist. Sechs Themensammlungen im Bereich des
Ingenieurwesens, der Chemie, der Umweltwissenschaften, der Mathematik, der
Statistik und der Ernährungswissenschaften wurden abonniert. Gegenwärtig bietet
die ETH-Bibliothek über 380 Titel von diesem Verlag an. Wie bei den andern
Anbietern werden die in einer spezifischen Themengruppe neu erschienen Titel
sofort zugänglich gemacht und sind im jährlichen Subskriptionspreis
inbegriffen.
E-Books von Kluwer unterscheiden sich von den oben
erwähnten Paketen in verschiedenen Punkten (http://wwwkluweronline.com). Wie bei den
andern werden die Titel nach Sachgebieten aufgelistet. In folgenden Bereichen
werden Titel angeboten: Biomedizin, Chemie, Informatik, Elektroingenieurwesen,
Physik, Werkstoffe, Mathematik und Sozialwissenschaften. Die Sammlung wird
jedoch beim gegenwärtigen Stand der Verhandlungen (eine einmalige Bezahlung pro
Titel, auf den die Bibliothek einen dauerhaften, laufenden Zugang erhält) nicht
erweitert, bis weitere Titel ausgewählt und separat dafür bezahlt wurde. Zudem
wird der Zugang, im Gegensatz zu den drei bisher erwähnten
Verlegern/Aggregatoren, nicht über den Webbrowser angeboten, sondern erfordert
eine einmalige Installation des Adobe Acrobat E-Book Readers auf dem PC des
Benutzers. (Dieses Programm ist im Web gratis erhältlich.) Diese Software
gleicht sehr stark derjenigen, die erforderlich ist, um elektronische Texte auf
einem portablen E-Book-Gerät zu lesen und hat ziemlich die gleichen Funktionen
und Möglichkeiten wie dieses. Der Benutzer ist auch in der Anzahl Kopien oder
Drucke auf ein Maximum von 10 Seiten pro Tag eingeschränkt.
Die von netLibrary angebotenen Bücher wurden bisher
noch nicht eingehend für eine mögliche Integration in die E-Book-Sammlung der
ETH-Bibliothek untersucht. Viele Titel sind stark auf die USA bezogen und man
muss bei netLibrary registriert sein, um die Titel im Angebot sehen zu können.
Die Titel müssen zudem einzel gekauft werden (Long, 2003). Laut Langston (2003)
limiert netLibrary den Zugriff von jedem Titel auf einen Benutzer, dem normalen
Zirkulationsmodel eines gedruckten Buches entsprechend. Dennoch plant die
Bibliothek sich in nächster Zukunft das Produkteangebot von netLibrary näher
anzusehen. NetLibrary scheint auf dem europäischen Markt nicht so stark
vertreten zu sein wie in Nordamerika.
Auch andere Pakete sollen im Detail studiert werden,
wie z.B. das von Proquest angebotene Safari-Paket.
Die ETH-Bibliothek fand es sehr nützlich, Pakete
oder Themensammlungen abonnieren zu können, normalerweise mit einer
Campuslizenz. Diese Arrangements sparen viel administrative Zeit und Kosten.
Die Handhabung von Einzeltitel-Abonnements würde eine intensivere Verwaltung
dieser Art von Informationsquellen
erfordern. Für Konsortien, die ein E-Book-Abonnement in Betracht ziehen, ist
die Option ein ganzes Paket zu kaufen vorteilhaft. Die Zugangskontrolle findet
normalerweise über die IP-Adresse statt, so dass für Konsortien der Kauf einer
solchen Ressource für ihre Mitglieder einfach ist.
Jeder Titel, für den sich die ETH-Bibliothek
abonniert oder dessen Zugang gekauft wurde, ist in das integrierte
Bibliothekssystem eingebunden. Mehrheitlich existieren diese Titel bereits im
Katalog, der ein Verbundskatalog von über 60 Bibliotheken ist. Es ist selten
nötig, eine Aufnahme ganz neu zu machen. Das Katalogisat wird mit der URL
ergänzt, so dass der Benutzer mit einen Klick auf die URL einen direkten Zugang
zum gewünschten Titel findet. Langston (2003) betont, dass die Ergänzung des
E-Books im Katalogisat eines online-Katalogs sehr wichtig ist, wenn die Nutzung
der E-Books steigen soll.
Ist das elektronische Referenzwerk im Katalog nach
vorgeschriebenen Standards und mit spezifischen Identifiers eingetragen, macht
ein Programm einen Auszug von allen E-Book-Einträgen des Katalogs und ein
Perlprogramm konvertiert die extrahierten Dateien in eine html-Seite. Dadurch
werden Seiten kreiert, die alle E-Texte auflisten, zu denen die Benutzer der
ETH-Bibliothek Zugriffsberechtigung haben. In diesen Listen kann entweder
alphabetisch nach Titeln oder nach Themengebieten gesucht werden (http://www.ethbib.ethz.ch/text.html). Die Seiten werden wöchentlich aktualisiert.
Zusätzlich wurden potentielle E-Book-Benutzer
mehrmals über die Bibliothekshomepage über Neuzugänge informiert. Auch in der
ETH-internen Zeitung, die monatlich erscheint,
wurden kurze Artikel publiziert.
Auch wenn die meisten Verleger oder Aggregatoren
ihre E-Books im PDF-Format anbieten, ist dies keineswegs bei allen der Fall.
Einige offerieren zusätzliche Funktionen oder Besonderheiten, wie z.B.
interaktive Tabellen, die vom Leser online manipuliert werden können oder in
Tabellenkalkulationspakete zur weiteren Verarbeitung oder Speicherung kopiert
werden können. Knovel liefert solche interaktiven Tabellen und erhöht so
zusätzlich den Nutzen, den man mit dem reinen Textinhalt erhält. Knovel bietet
auch interaktive Formeln und Graphiken an, die der Leser ebenfalls an seine
Bedürfnisse anpassen kann. Zudem stellen eine extrem ausgeklügelte Suchfunktion
sowie eine Suche nach Schlüsselbegriffen sicher, dass das gesamte E-Book-Paket
oder Produkt nicht mehr mit dem herkömmlichen, gedruckten Text verglichen
werden kann.
Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die von
Kluwer angebotenen E-Books von den meisten Web-basierten E-Books, da sie keine
PDF-Version gedruckter Texte sind, sondern einen Adobe Acrobat E-Book Reader erfordern
um gelesen werden zu können. Sie enthalten hingegen andere zusätzliche
Funktionen, wie z.B. das Drehen der Seiten, das Zoomen in einen Text hinein
oder aus einem Text heraus, das Einsehen in einzelne oder nebeneinander
liegende Seiten, das Suchen und Markieren von Textstellen, das Nachschlagen von
Begriffen im Wörterbuch, das Drucken oder Kopieren von Textseiten etc.
Das Verlinken zu anderen Textstellen oder Sites ist
auch in Web-basierten E-Books möglich.
Diese Mehrwert erzeugenden Funktionen könnten den
Web-basierten E-Books zum Erfolg verhelfen, den die portablen E-Books
insbesondere im akademischen Umfeld nie erlangt haben.
Die Preismodelle variieren von E-Book-Anbieter zu
E-Book-Anbieter enorm. Bei vielen werden die kaufwilligen Institutionen dazu
angehalten, ein jährliches Abonnement zu subskribieren. Die Mitglieder dieser
Institution können dann die Bücher in diesem besagten Jahr lesen. Wird das
Abonnement nicht erneuert, geht der Zugang zu den Werken wieder verloren.
Ein anderes Model ist dasjenige des einmaligen
Einkaufs, bei dem der Institution einen permanenten Zugriff auf die
elektronischen Texte bewilligt wird (d.h. so lange sie vom Verleger/Aggregator
zugänglich gemacht werden).
In einem weiteren Model wird einem individuellen
Titel der Wert von einem, zwei, einem halben Punkt etc. zugeschrieben und die
Institution erwirbt sich eine Anzahl Punkte. Innerhalb dieses Punktesystems
können individuelle Titel in das Paket aufgenommen und auch wieder entfernt
werden, solange die Anzahl der abgemachten, bezahlten Punkte nicht
überschritten wird. Dieses Model ermöglicht der Institution eine grosse
Freiheit. Ist die Benutzung eines spezifischen Titels schlecht, kann er durch
ein anderes Referenzwerk ersetzt werden.
Möglicherweise existieren weitere Preismodelle, über
die die Autorin zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht im Bild ist.
Nutzungsstatistiken über den Zugriff auf E-Books
sind nicht immer einfach aufzufinden oder, wenn auffindbar, nicht einfach zu
interpretieren und analysieren. Zudem sind die Statistiken von den
verschiedenen Anbietern nicht immer ohne weiteres vergleichbar. Die Art, wie
die Statistiken geliefert werden, ist ebenso unterschiedlich. In einigen Fällen
werden sie regelmässig per E-Mail gesandt, in anderen werden sie nur auf
Verlangen (in einem mehr oder weniger brauchbaren Format) geliefert. Einige
wünschen, dass die abonnierte Institution die Daten vom Server des Providers
herunterlädt, während wieder andere gar keine Statistiken liefern.
Knovel bietet überaus umfassende Statistiken an. Die
Statistiken unterscheiden zwischen „nicht gesichertem Inhalt“, d.h. Inhalt, der
von allen eingesehen werden kann und kein Abonnement erfordert (z.B.
Inhaltsverzeichnisse) und „gesichertem Inhalt“ – dem Teil der Site, der nur
Abonnenten zugänglich ist. Innerhalb des gesicherten Inhalts zeigen die
Statistiken die Anzahl Benutzersessions, gesicherte Klicks, besuchte Titel,
gesicherte, eingesehene Kapitel und Seiten, die Gesamtdauer des Aufenthalts
innerhalb des gesicherten Bereichs und Durchschnittswerte der Besuchszeit.
Diese Angaben liefern gute Indizien für den Nutzungsstand. Graphiken zur
Gesamtzahl von besichtigten Titeln sind ebenfalls inbegriffen und liefern eine
visuelle Darstellung der Nutzung und des Nutzungstrends. Wichtige zusätzliche
Informationen zu den Sites mit einer limitieren Anzahl von gleichzeitig
berechtigten Lesern sind die Statistiken über die Abweisungen, d.h. wie oft
Benutzer keinen Zugriff zu einem Titel erhielten, weil die maximale Anzahl
Benutzer bereits erreicht war. Die Abweisungen von Lesern, die auf einen Titel
zugreifen wollten, für den die Institution keine Berechtigung hatte, werden
ebenfalls registriert. Diese Statistik kann wertvolle Information für die
Weiterentwicklungsstrategie einer Sammlung enthalten. Die Statistiken werden
monatlich nach Themengebieten oder –sammlungen zusammengestellt und der
Kontaktperson der Institution per E-Mail zugeschickt.
Die Nutzungsstatistik von den Wiley E-Books kann auf
dem Server des Verlegers eingesehen werden. Dies erfordert einen Benutzernamen
und ein Passwort. Der Administrator kann festlegen, für welchen Monat und
welches Jahr er die Statistiken sehen möchte. Diese sind nach Benutzersession,
Treffer, Suchabfragen, Inhaltsverzeichnissen, Kapitelübersichten, Kapiteltexte
und verweigerte Zugriffe (Bücher, die die Institution nicht abonniert hat)
aufgelistet.
Die ETH-Benutzer haben bisher nur spärlich
Rückmeldungen zu den E-Books gegeben. Es fand bislang keine Benutzerumfrage zur
Nutzung der E-Books statt. Die Statistiken der E-Book-Nutzung weisen jedoch im
Vergleich zur Anfangsphase einen Anstieg der Zugriffe auf und die Zahl der
eingesehenen Kapitel pro Monat ist z.B. hoch (für knovel durchschnittlich 1721 pro
Monat für die ersten 6 Monate im Jahr 2003, für Wiley 3329 für die selbe
Zeitperiode). Man hätte einen stärkeren Anstieg über diesen Zeitraum erwarten
können, da immer neue Titel in jeder Themensammlung hinzugekommen sind und so
die Bibliotheksbenutzer mit weiteren anwählbaren E-Books beliefert wurden.
Die verschiedenen Verleger/Aggregatoren ergreifen
verschiedene Mittel, wenn es darum geht, die Abonnenten über neue Titel in
einer Themensammlung zu informieren. Knovel z.B. sendet monatlich E-Mails an
die Kontaktperson der Institution, in dem die neuen Titel (oder seltener die
zurückgezogenen Titel) zusammen mit den vollständigen MARC-Daten für die neuen
Werke aufgelistet sind. Dies ist eine sehr nützliche und willkommene
Dienstleistung.
Andere Verleger schicken monatliche E-Mails mit den
neuen Titeln und deren URL, so dass die Institution direkt auf das neue Werk
verlinken kann, was die Katalogisierung und die Aufnahme des Werkes in die
Sammlung erleichtert.
Weitere Verleger kündigen neu in ihre Sammlung
integrierte Titel nicht an, wodurch mühsame und zeitaufwändige Umtriebe
erforderlich werden, um die neu erschienen, bisher noch nicht in die eigene
Sammlung integrierte Titel auf der Verleger-Website aufzufinden.
Wenn ihre Sammlungen grösser werden, strukturieren
die Verleger oder Anbieter ihre Sites gelegentlich um und fügen manchmal neue
Themengebiete oder weitere Verfeinerungen eines Bereichs hinzu. Eine
Institution kann dann die neuen Themensammlungen abonnieren, wenn sie für sie
von Interesse sind.
Neue E-Book-Quellen zu finden ist schwieriger.
Armstrong et al. (2002) betonen, dass die Schwierigkeit, adäquate, passende
oder notwendige E-Books aufzufinden die Verbreitung der E-Books in akademischen
Kreisen behindert. Lonsdale et al. (2002)
bestätigen ebenfalls, dass die Entdeckung von elektronischen Texten häufig
unsystematisch oder zufällig erfolgt.
Es ist in der Tat eher schwierig, neue Quellen
geeigneter E-Book-Sammlungen für eine Institution wie die ETH zu finden. In
einigen Fällen haben die Verleger oder Aggregatoren selber der Bibliothek
Broschüren oder andere gedruckte oder elektronische Informationen bezüglich
elektronischen Büchern zugeschickt. In anderen Fällen haben Datenbankanbieter,
die ebenfalls E-Books vertreiben, die Bibliothek auf ihre Sammlungen
hingewiesen. Auch Zeitschriftenartikel können Hinweise auf E-Book-Provider
enthalten. Konferenzen oder Ausstellungen, sowie Empfehlungen von anderen
Bibliotheken sind weitere Quellen für die Entdeckung von E-Book-Sammlungen. Die
Autorin ist jedoch überzeugt, dass viele, bisher relativ unbekannte Sammlungen
und Anbieter existieren, deren Informationsprodukte einer näheren Betrachtung
wert wären.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden keine Abonnemente
über das Konsortium, zu der die Bibliothek gehört, subskribiert. Das Konsortium
hat verschiedene mögliche E-Book-Pakete zur Abonnierung untersucht, aber die
Verhandlungen haben bisher zu keinem definitiven Vertrag geführt.
Snowhill (2001) glaubt, dass elektronische Bücher
kreative Möglichkeiten bieten, die die Art, wie akademische Forschung betrieben
wird oder wie Lernverhalten verändert werden, beeinflussen könnten.
Elektronische Texte sind immer zugänglich, unabhängig von Ort und Zeit. Es
sollte einfacher sein, neue Ausgaben von Referenzwerken bereits existierender
Ausgaben herzustellen und so möglicherweise zu verhindern, dass Bücher
vergriffen werden. Besonderheiten wie Volltextsuchen, die Möglichkeit Notizen in
einen Text zu integrieren und die Schriftgrösse zu verändern, Texte zu
markieren und das Setzen von Favoriten bieten das Potential den Nutzen des
Inhalts zu vergrössern. Ausserdem bringt die Möglichkeit multimediale Objekte
oder andere Informationsquellen einzubinden einen weiteren Mehrwert.
Web-basierte E-Books sind weder Hardware noch
Software gebunden und ermöglichen so jedem mit Laptop, PC oder Mac und einem
Webbrowser Ausgerüstetem den Zugriff. Gelegentlich kann zusätzliche Software
erforderlich sein, aber in den meisten Fällen sind diese Programme gratis über
das Internet erhältlich. Web-basierte E-Books überwinden die meisten Mängel der
portablen E-Book-Lesegeräte, bei denen das Fehlen von Standards die
Kompatibilität von Gerät und Software erschweren.
Auch für die Bibliotheken sind die Vorteile
offensichtlich. Der Bedarf an Gestellen und die physische Handhabung der Bücher
werden reduziert. Die physische Abnutzung der Bücher ist ebenfalls kein Thema
mehr. Die E-Books ermöglichen einer Institution die Entwicklungspolitik ihrer
Sammlungen von einem „just-in-case“-Model zu einem „just-in-time“-Model
umzugestalten (Chen, 2003). Dies könnte jedoch auch den unerwünschten Effekt
haben, dass das Erhalten von Informationen, das laut Chen auch eine wichtige kulturelle
Verantwortung der Bibliotheken ist, gefährdet würde. Die Fragestellung der
Archivierung elektronischer Texte ist ein Problem dem sich die Welt der
Bibliotheken sehr bald wird stellen müssen.
Die Autorin glaubt, dass der Erfolg der
Web-basierten E-Books weiterhin zunehmen wird, besonders im Bereich der
wissenschaftlichen Institutionen. Die vielen Vorteile dieses
Referenzbuch-Formats im Vergleich zu herkömmlichen, gedruckten Werken können
nicht abgestritten werden. Trotzdem müssen, um den Erfolg von E-Books,
besonders Web-basierten E-Books, zu garantieren, eine Anzahl von Problemen
angegangen werden. Die Standardisierung zur Sicherung der Unabhängigkeit von
Hardware und Software ist wichtig, um die E-Books dem potentiellen Leser
zugänglich zu machen. Auch die Unabhängigkeit von den Anbietern wird ein
wichtiger Faktor sein. Selbstverständlich müssen auch die Kosten der Produkte
in Beziehung mit dem Wert des Inhalts und des zusätzlichen Mehrwerts durch die
E-Books stehen. Rao (2003) bestätigt, dass der Erfolg oder der Misserfolg der
E-Books nicht nur von der Akzeptanz der Technologie durch den Benutzer abhängt,
sondern auch von der Fähigkeit der Verlagsindustrie, die E-Books nicht als
Ersatz für gedruckte Bücher zu betrachten und über die traditionellen
Businessmodelle hinaus zu sehen.
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Ann McLuckie
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